Familie : Keine Konfrontation zwischen Politik und Kirche

Familienministerin Ursula von der Leyen hat sich mit Kardinal Georg Sterzinsky getroffen. Der große Schlagabtausch blieb aus, doch in der Sache blieben der Kardinal und die streitbare CDU-Politikerin auf Distanz.

Frank Rafalski[dpa]

Berlin Anders als sein Augsburger Amtsbruder Walter Mixa vermied Berlins katholischer Oberhirte Georg Sterzinsky beim öffentlichen Treffen mit Ursula von der Leyen verbale Rundumschläge gegen den forcierten Krippenausbau in Deutschland. Dass aber bei der Kinder-Betreuung nur noch darüber gesprochen werde, sei schlicht "Propaganda".

"Für das Kind", so Sterzinsky in der vom TV-Sender Phoenix organisierten Runde, "ist es am besten, wenn es in den ersten zwei Jahren von der Mutter betreut wird." Man dürfe deshalb nicht "zu viele verlockende Angebote schaffen" für Mütter, die nach der Geburt frühzeitig wieder in ihren Beruf wollten. Es könne nicht sein, dass man von Frauen, die zu Hause ihr Kind betreuen wollen, einen "heroischen Beschluss abverlangt".

Von der Leyen will "keinen Glaubenskrieg führen"

Inhaltlich ließ von der Leyen den Kirchenmann in dieser Frage abtropfen, ohne ihn direkt anzugreifen. "Ich will keinen Glaubenskrieg führen", sagte sie. Es gehe ihr auch nicht darum, "was die Eltern wünschen sollen oder nicht wünschen sollen". Schließlich gehe man auch in Frankreich mit dem breiten Betreuungsangebot für die unter Dreijährigen ganz entspannt um.

In der Sache blieb die oberste CDU-Familienpolitikerin bei ihrem auch in den eigenen Partei-Reihen umstrittenen Kurs. Ein steuerliches Familiensplitting "mit einer starken Kinderkomponente" müsse kommen. Schließlich werde jedes dritte Kind außerhalb einer Ehe geboren. Ein weiteres von der Leyen-Projekt: ein nach Kinderzahl gestaffeltes Kindergeld.

Kardinal für Wahlfreiheit der Familien

Beim Thema Betreuungsgeld für die Kleinkinder-Erziehung zu Hause - ein Steckenpferd der CSU und der katholischen Kirche - zeigte von der Leyen weit weniger Elan. Vorrang habe der Krippenausbau. Erst als zweiten Schritt im Jahr 2013 werde der Rechtsanspruch auf einen Krippen-Platz und das Betreuungsgeld kommen.

Familien-Politik ist nicht einfach gestrickt. Sie funktioniert schon gar nicht nach dem Muster: Mehr Geld und Krippen führen zu mehr Kindern. Beiträge aus der Experten-Runde zeigten das wieder: In Bayern mit seiner relativ geringen Anzahl von Krippen-Plätzen gibt es die meisten berufstätigen jungen Mütter. Und in Ostdeutschland, wo es viele Betreuungsplätze für die Kleinsten gibt, ist die Geburtenrate nach wie vor besonders niedrig.

Angesichts der Komplexität des Themas zeigte sich der Kardinal zunehmend konziliant. Auch er sei für die Wahlfreiheit der Familien zwischen häuslicher und öffentlicher Betreuung ihrer Kinder. Es freue ihn überdies sehr, dass das Thema Familie auch dank von der Leyen nicht mehr nur vor Wahlterminen hochkomme und danach wieder in der Versenkung verschwinde. 

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