Familie : Politik hofft auf Trendwende durch Elterngeld

Während sich Familienministerin von der Leyen deutlich mehr Geburten durch die Einführung des Elterngeldes erhofft, fordert der evangelische Bischof Huber einen Mentalitätswechsel hin zu mehr Familienfreundlichkeit.

Berlin - Begleitet vom neuen Elterngeld erhofft sich die Politik ein familienfreundliches Jahr 2007. So setzt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) auch auf eine Trendwende bei dem seit Jahren anhaltenden Geburtenrückgang. Hierfür sei ein "Umdenken in der Gesellschaft" notwendig, sagte sie am Wochenende. Wichtig sei auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Von der Leyen betonte: "Das Elterngeld ist ein ganz wichtiger Baustein einer modernen Familienpolitik und hat auch eine große gesellschaftspolitische Bedeutung." Zum ersten Mal werde "deutlich das Signal ausgegeben, dass es der Gesellschaft nicht gleichgültig ist, wenn junge Eltern sich die Zeit für ein Kind nehmen und dabei einen Einkommensverlust haben". Zudem werde durch die Partnermonate die gemeinsame Verantwortung von Müttern und Vätern für die Erziehung hervorgehoben.

Bischof Huber fordert Wahlfreiheit beim Elterngeld

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, forderte einen Mentalitätswechsel. Das Ja zu Kindern werde durch viele Dinge erschwert. "Solange junge berufstätige Frauen den Vorhalt ihres Vorgesetzten fürchten müssen, eine Schwangerschaft komme gerade jetzt zum falschen Zeitpunkt, so lange hat die aktivste Familienpolitik kaum eine Chance", sagte Huber.

Huber gab zu bedenken, dass - je nach Einkommenslage - die einen noch vom Erziehungsgeld profitieren und die anderen in den Genuss des neuen Elterngeldes kommen wollten. Weil der Übergang zum Elterngeld zum 1. Januar 2007 geplant sei, zitterten jetzt viele wegen des Geburtstermins. Huber sagte, es sollte auch für Kinder, die zwischen Heiligabend und Silvester geboren werden, das neue Elterngeld beantragt werden können. Und auch für die Kinder, die zwischen dem 1. und dem 6. Januar 2007 geboren werden, sollte ein Antrag auf das bisherige Erziehungsgeld gestellt werden können. Nach Ansicht Hubers wäre das "ein unbürokratischer, ein weihnachtlicher Weg".

Für unerlässlich in einer familienfreundlichen Gesellschaft hält von der Leyen auch Ganztagsschulen. Die Begrenzung der Lernzeit auf den Vormittag nehme den Kindern Chancen. Sie argumentierte: "Die Halbtagsschule geht ja davon aus, dass zu Hause jemand ist, der ganz hohes Interesse an Bildung, aber auch Zeit und vor allen Dingen Geld hat, die Bildung privat zu organisieren, die der Staat den Kindern vorenthält." Sie verwies zudem darauf, dass jedes dritte Kind unter sechs Jahren einen Migrationshintergrund habe. Auch diese Kinder müssten eine Chance bekommen, "ihre Fähigkeiten so zu entfalten, dass sie später unser Land mittragen". (tso/ddp)

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