Politik : Familie weist Vorwürfe der Bild-Zeitung zurück

Michael Mara

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Regine Hildebrandt, Ministerin a.D., war gestern zu keiner Stellungnahme zu erreichen. Nicht etwa, dass sie wegen der jüngsten "Enthüllungen" der Bild-Zeitung "abgetaucht" wäre. Nein, ganz im Gegenteil: ein Arzt-Besuch in Potsdam ("mit erfreulichem Ergebnis", so ihr Mann Jörg Hildebrandt), Termine im Berliner Willy-Brandt-Haus, eine Talk-Runde mit Lea Rosh. Regine Hildebrandts Terminkalender ist, obwohl nicht mehr Ministerin im Kabinett Stolpe, proppenvoll. Eigentlich wollte sie sich in Woltersdorf vor allem um die Enkel der Großfamilie kümmern, doch dazu kommt sie kaum.

So gibt denn auch ihr Mann die offizielle Erklärung zu den Vorwürfen ab: Er sei im übrigen ja auch Betroffener sagt er, das Corpus delicti gehöre zur Hälfte ihm, außerdem habe er sich "um alles gekümmert". Die Bild-Zeitung hatte am Sonnabend die spektakuläre Nachricht gebracht, die Potsdamer Staatsanwaltschaft habe gegen Hildebrandt Strafantrag gestellt, weil sie zu Unrecht staatliche Fördermittel für den Bau ihres Hauses in Höhe von 360 000 Mark kassiert haben soll. An der Geschichte ist, stellt Hildebrandt klar, "nichts wahr". "Wir haben nicht eine Mark Fördermittel in Anspruch genommen, nur steuerliche Abschreibungen genutzt." An den veröffentlichten Details in der Bild-Zeitung stimme nichts, "aber auch gar nichts davon", regt sich Jörg Hildebrandt auf.

Das Blatt hätte bei Hildebrandts nachfragen können, tat es offensichtlich nicht. Eine Erkundigung bei der Staatsanwaltschaft hätte folgendes in Erfahrung gebracht: Weder sei, sagte ein Sprecher auf Anfrage, ein Strafantrag gegen Hildebrandt gestellt, noch Strafanzeige erstattet worden. Richtig sei allein, dass eine Anzeige einer privaten Person eingegangen sei, die man, ohne sie auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen, zuständigkeitshalber nach Frankfurt (Oder) weitergeleitet habe. Dort war sie gestern noch nicht eingetroffen. Auch im Bauministerium weiß man nichts von einer Förderung.

Seine Frau, sagt Jörg Hildebrandt, habe im Gegensatz zu den Kindern, zu den Eltern und zu ihm selbst "cool" reagiert. "So was kann sie nicht erschüttern." Ganz sicher hat Regine Hildebrandt besseres zu tun, als sich über eine mögliche Zeitungsente aufzuregen: Sie werde umworben, erhalte viele Einladungen, darunter auch Angebote für ein politisches Comeback. Bisher habe sie sich nicht entschieden. "Die Familie möchte, dass sie ein Jahr Pause macht", so ihr Mann.
© 1999

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