Politik : Familien-Bande?

Indonesiens Geheimdienst hält einen Schwager von Osama bin Laden für den Drahtzieher der Anschläge von Bali

Ashwin Raman

Die indonesischen Behörden sind sich sicher: Der Anschlag auf Bali geht auf das Konto der Al Qaida. Hauptdrahtzieher soll Mohammed Khalifa sein, ein Schwager von Osama bin Laden. „Khalifa ist bei Al Qaida für Operationen in Indonesien, Singapur und Malaysia zuständig. Wir wissen jetzt, dass er sich im September in Solo (Zentral Java) aufgehalten hat", erklärte ein indonesischer Geheimdienstler dem Tagesspiegel. Insgesamt sieben mutmaßliche Terroristen werden zur Zeit von der indonesischen Polizei vernommen. Einer von ihnen ist Mohammed Silailah, ein Staatsbürger Jemens, der aus Pakistan eingereist sein soll. Er wird von der pakistanischen Polizei wegen eines Anschlags im September auf eine Kirche in Karachi dringend gesucht.

Zudem wurden in drei konspirativen Wohnungen in Jakarta weitere Indizien für die Täterschaft von Al Qaida gefunden – unter anderem Zünder und Granaten ägyptischer Herkunft, sowie das 180seitige „Handbuch der Dschihad Kämpfer" der Terrororganisation. Der indonesische Geheimdienst ist auch überzeugt, dass die örtliche islamische Gruppe Jemaah Islamiah ebenfalls an der Tat beteiligt war. Abu Bakar Bashir, ein islamischer Gelehrter mit engen Verbindungen zu dieser Gruppe, soll Mohammed Khalifa, dem Schwager bin Ladens, Unterkunft gewährt haben. Diese Information stammt angeblich von Omar al-Faruq, einem Terroristen, den die Behörden verhaften konnten. Omar sagte weiterhin aus, dass Bashir an Plänen für Terroranschläge auf amerikanische Botschaften im Fernen Osten gearbeitet habe.

Bashir streitet dies vehement ab und erklärte stattdessen in einem Interview, der Anschlag sei von den Amerikanern verübt worden, um Indonesien als Nährboden für Terroristen darzustellen. „Ich habe mit Al Qaida nichts zu tun. Ich lehre Islam in meinem Internat und ich möchte, dass Indonesien nach den Grundsätzen der Scharia regiert wird. Dies macht mich noch lange nicht zum Terroristen." Trotz dieser Aussagen ist es allgemein bekannt, dass Bashir keine Möglichkeit auslässt, anti-amerikanische und anti-jüdische Hetzparolen zu verbreiten. Der 64-jährige Bashir kam in islamistischen Kreisen zu Ansehen, als er in den späten siebziger Jahren von der Suharto-Regierung wegen subversiver Aktivitäten eingesperrt wurde. Nach seiner Freilassung lebte er 13 Jahre lang im Exil in Malaysia und kehrte 1998 nach dem Sturz Suhartos nach Indonesien zurück.

Weitere Indizien, dass die Gräueltaten von Bali auf das Konto von Bashir und Al Qaida gehen, kommen aus Singapur. Dort wurden in den letzten Tagen 13 Mitglieder der Jemaah Islamiah (JI) verhaftet und vernommen. Auch diese Verhafteten bestätigten mit ihren Aussagen, dass Bashir Verbindungen zu Al Qaida unterhält. Ein enger Mitarbeiter Bashirs, Abu Jibril alias Fihiruddin, soll als Finanzmanager von Al Qaida im fernen Osten fungieren. Ein weiterer Mitarbeiter, Abu Hambali, wird in Zusammenhang mit dem 11. September gesucht.

Der Geheimdienst in Singapur ist angeblich davon überzeugt, dass das vor kurzem veröffentlichte Tonband von Ayman al-Zawahiri, dem engsten Vertrauten bin Ladens, einen Befehl für die Attentäter von Bali enthielt. Die Behörden in Singapur haben auch die Information, dass Attentate auf amerikanische Ölkonzerne in Indonesien in Planung sind. Auch der indonesische Minister für innere Sicherheit, Susilo Bambang Yudhoyono, bestätigte, er habe solche Informationen erhalten und fügte hinzu, auch australische Öl- und Erdgaskonzerne seien in Gefahr. Derweil äußerte das US-Außenministerium Zweifel an den Fahndungserfolgen der indonesischen Behörden. Die örtlichen Ermittler würden zwar intensiv arbeiten, ihre Bemühungen würden aber ohne Ergebnis bleiben, hieß es in der Studie, die der Nachrichtenagentur AFP in Washington vorlag. Die mutmaßlichen Täter würden vermutlich weder identifiziert noch festgenommen.

Bei den Tätern handele es sich wahrscheinlich um islamische Extremisten, die bei der Auswahl des Tatortes und der Planung Hilfe aus dem Ausland erhalten hätten. Die ausländischen Helfer seien vermutlich bereits außer Landes.

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