Familienbild : Von der Leyen wird Union zu modern

Mit ihren Plänen zur Ganztagsbetreuung von Kindern weht Ursula von der Leyen in der eigenen Partei ein zunehmend eisiger Wind ins Gesicht. Ihr Familienbild sei vielen zu modern, beklagen vor allem männliche CDU- und CSU-Kollegen.

Berlin - Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gerät mit ihrer Familienpolitik in den eigenen Reihen immer stärker in die Kritik. Mehrere Unions-Politiker warnten vor einer Abkehr vom traditionellen Familienbild.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) warb in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" für die Wahlfreiheit von Eltern bei der Kinderbetreuung. In der jetzigen Diskussion entstehe der "Eindruck, die Union wolle nur noch ein Familienmodell fördern, das der erwerbstätigen Frau. Das halte ich für falsch", betonte Kauder. Auch er wolle, dass es ausreichend Plätze in Krippen und in der Ganztagsbetreuung gebe. Er werbe jedoch dafür, dass Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen, "nicht als altmodisch verschrien werden." Kauder lehnte im Gegensatz zur Ministerin zugleich eine Kostenbeteiligung des Bundes an der Schaffung von zusätzlichen Krippenplätzen ab.

Einseitige Ausrichtung auf Berufstätigkeit

Bayerns Landtagspräsident Alois Glück (CSU) warnte im Deutschlandfunk: "Familienpolitik darf keine Unterabteilung der Arbeitsmarktpolitik sein." Er habe den Eindruck, dass von der Leyens Blick nur dem Ausbau der Kinderbetreuung gelte. Zudem habe auch das neue Elterngeld eine "etwas einseitige Ausrichtung bezogen auf die Berufstätigkeit", kritisierte Glück im Deutschlandfunk.

Der Generalsekretär der CDU in Thüringen, Mike Mohring äußerte die Befürchtung, dass die Familienpolitik der Ministerin die Union Stimmen koste - "statt ihr zusätzliche Stimmen zu bringen". Mohring kritisierte in der "Leipziger Volkszeitung": "Die Arbeit von Frau von der Leyen ist zu west-orientiert, zu großstädtisch ausgerichtet, nimmt zu wenig Rücksicht auf unsere konservative Klientel und auf die Lebenserfahrungen in den jungen Ländern." Das gelte sowohl für die Anstöße von der Leyens zur Kinderbetreuung als auch für ihre Vorstellungen zum Ehegatten- und Familiensplitting. (tso/ddp)

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