Familienpolitik : Eltern fordern flexible Arbeitszeiten

Mehr Zeit für die Familie - das wünschen sich Väter und Mütter am meisten. Und Demoskopen ermitteln: Immer mehr junge Männer wollen gar keine Kinder.

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Vor allem im Westen gibt es Vorbehalte gegen die Fremdbetreuung von Kindern.Foto: dpa
Vor allem im Westen gibt es Vorbehalte gegen die Fremdbetreuung von Kindern.Foto: dpaFoto: dapd

Berlin - Der Beruf bleibt in Deutschland die größte Hürde im Familienleben – für Männer wie für Frauen. Kinder haben und gleichzeitig berufstätig sein zu können, bezeichneten fast drei Viertel der Befragten (74 Prozent) als wichtigsten Wunsch an die Familienpolitik im neuen „Familienmonitor“, den das Allensbacher Institut für Demoskopie im Auftrag des Familienministeriums erstellt hat. Und wieweit das in Deutschland gelingt, darauf wies die Geschäftsführerin des Instituts, Renate Köcher, hin, sieht die Bevölkerung hierzulande deutlich kritischer als ihre europäischen Nachbarn.

73 Prozent der Eltern von Kindern bis zu 18 Jahren wollen der Umfrage zufolge mehr Zeit für ihr Familienleben, nicht einmal ein Viertel (23 Prozent) ist zufrieden mit der Zeit, die sie für die Familie erübrigen können. Unter den vollzeitarbeitenden Müttern sind das sogar nur sechs Prozent. Ministerin Kristina Schröder (CDU) nannte dies ein „Alarmsignal“. Gerade wenn beide Eltern berufstätig seien, werde die Arbeitszeit „extrem wichtig als Taktgeber“ der Familie.Die Mehrheit der Eltern – Mütter häufiger als Väter – klagt aber darüber, dass ihre Unternehmen keine oder wenig Rücksicht auf die Familien nähmen. Für 94 Prozent der Väter und 96 Prozent der Mütter sind dabei flexible Arbeitszeiten das wichtigste Kriterium für die Familienfreundlichkeit eines Arbeitgebers; an zweiter Stelle nennen 74 Prozent der Väter und 81 Prozent der Mütter die Möglichkeit von Sonderurlaub, wenn ihre Kinder krank sind.

Köcher wies darauf hin, dass das Familienbild hierzulande immer noch traditionell sei: „Teilzeit bleibt als Muster weiblicher Berufstätigkeit.“ Nur Frauen zwischen 20 und 30 arbeiteten mehrheitlich Vollzeit, danach – in der Phase der Familiengründung – dominieren Teilbeschäftigungen, oder die Frauen steigen ganz aus dem Beruf aus. Dass trotz des weiter wirkenden deutschen „Muttermythos in manchen Milieus“ (Schröder) diese Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit nicht unbedingt sehnlichen Wünschen entspricht, zeigt eine andere Zahl: 58 Prozent der nicht arbeitenden Mütter sagten, sie wären gern berufstätig, und 57 Prozent würden am liebsten sofort, wenigstens in Teilzeit, in den Beruf zurückkehren. Und trotz des „immer noch ambivalenten Verhältnisses“ (Köcher) jedenfalls der Westdeutschen zur Fremdbetreuung von Kindern bis zu drei Jahren gibt es breiten Rückhalt für das Elterngeld, das Müttern und Vätern 14 Monate lang eine gehaltsabhängige Unterstützung garantiert. 67 Prozent der Bevölkerung sind dafür. Ministerin Schröder verwies auf die noch geplanten 845 Millionen Euro Hilfen zum Ausbau der Kinderbetreuung. Es gebe dann für die Länder keinen Grund mehr, über mangelndes Engagement des Bundes zu klagen.

Bleibt, was „der Staat nicht beeinflussen kann“, wie Renate Köcher sagt: die persönlichen Gründe, die junge Leute gegen das Elternsein ins Feld führen. Sie sind die gewichtigsten. Noch nicht den richtigen Mann gefunden, die falsche Freundin dafür, man fühlt sich noch zu jung für Kinder. Schon vor ein paar Jahren fand Köchers Allensbacher Institut aber heraus, dass inzwischen etwa ein Viertel der jungen Männer gar keine Kinder mehr will. Neuere Daten verfestigten das Bild: „Die Berufsorientierung junger Frauen und Männer nähert sich immer mehr an“, sagt Köcher. „Aber beim Kinderwunsch geht die Schere neuerdings auseinander.“ Die Frauen wollen auch Kinder, die Männer immer öfter keine. Andrea Dernbach

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