Familienpolitik : Weit mehr als nur Gedöns

Themencheck der Parteien zur Bundestagswahl: Saskia Weneit durchleuchtet die familienpolitischen Positionen der Parteien.

Saskia Weneit

„Kinder bekommen die Menschen immer“, hat der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) noch 1956 gesagt. Weit gefehlt: Die Geburtenrate in Deutschland sinkt. 80 Prozent der jungen Deutschen wünschen sich im Schnitt 2,2 Kinder. Doch fast 30 Prozent der Frauen bleiben kinderlos, auf eine Frau kommen 1,37 Kinder (2007). Deutschland gehört zu den Schlusslichtern im Vergleich der weltweiten Geburtenraten unter 190 Ländern. Für mehr als 80 Prozent der Frauen tut die Politik zu wenig, um das Kinderkriegen attraktiver machen. Das ergab eine Umfrage der Partnervermittlung Parship. Ein zentraler Aspekt dabei ist die Vereinbarkeit von Kind und Beruf. Dies ist die Baustelle, an der sich die Parteien mit versprochenen Maßnahmen in ihren Programmen reiben.

Die SPD, deren Ex-Kanzler Gerhard Schröder Familienpolitik früher noch als „Gedöns“ diffamierte, will einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2013 für jedes Kind vom ersten Geburtstag an. Nehmen beide Elternteile eine Auszeit, soll das mit vier statt bisher zwei Partnermonaten honoriert werden. Alleinerziehenden will die SPD neben dem bedarfsgerechten Ausbau der Kinderbetreuung „mit gezielten Maßnahmen helfen“. Die Union will ebenfalls für Kinder unter drei Jahren bis 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr. Der Kindergartenbesuch soll langfristig beitragsfrei werden. Eltern, die keinen Krippenplatz in Anspruch nehmen, erhalten ein monatliches Betreuungsgeld, schreiben CDU/CSU in ihrem gemeinsamen Wahlprogramm. Sie wollen ein Teilelterngeld einführen, das bis zu 28 Monate neben einer Teilzeitbeschäftigung bezogen werden kann. Damit soll mehr Flexibilität geschaffen werden, um Kind und Beruf in der Zeit des Wiedereinstiegs zu vereinbaren. Die Kombination von Teilzeit und Elterngeld würde so attraktiver, vor allem für Väter.

Die Grünen setzen auch auf einen Betreuungsanspruch ab dem ersten Lebensjahr. Bundesweit einheitliche Standards und Beitragsfreiheit seien das Ziel. Zunächst soll ein Betreuungsjahr für jedes Kind gebührenfrei sein. Das von der CDU geplante Betreuungsgeld wollen sie verhindern, das Elterngeld modifizieren. Die Linke will die kostenlose öffentliche Kinderbetreuung mit einem Rechtsanspruch ab dem ersten Lebensjahr garantieren. Die FDP will ebenso das Betreuungsangebot ausweiten und ein Teilelterngeld einführen. Rechtsanspruch und Beitragsfreiheit sind kein Thema. Die öffentliche Hand soll bei den Kosten entlastet werden. Saskia Weneit

Bisher erschienen: Sicherheitspolitik (21.9.), Einwanderung (18.9.), Medienpolitik (16.9.), Renten (14.9.), Europa/Türkei (12.9.), Bildung (10.9.), Bundeswehr (8.9.) und Umwelt (6.9.).

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