Politik : Familientreffen in Korea: Bewegende Abschiedsszenen in Seoul

Mit bewegenden Abschiedsszenen ist am Freitag die erste Zusammenführung von Familien aus den beiden koreanischen Staaten zu Ende gegangen. Die hundert meist älteren Nordkoreaner nahmen auf dem Flughafen von Seoul mit Tränen in den Augen Abschied von ihren Angehörigen, die sie erstmals seit der Teilung Koreas vor 55 Jahren wieder in die Arme schließen durften. Auch die 100 Südkoreaner, die zu Besuch im kommunistischen Norden waren, kehrten am Freitag wieder nach Seoul zurück. Die Staatschefs aus Nord- und Südkorea, die die Zusammenführung bei ihrem Gipfel im Juni vereinbart hatten, haben weitere Familientreffen für September und Oktober in Aussicht gestellt.

Viele Nordkoreaner knieten beim Abschied auf dem Flughafen vor ihren Angehörigen, die wegen des Alters oder körperlicher Gebrechen im Rollstuhl saßen. Zum Abschied sangen alle das im ganzen Land beliebte Lied: "Unser Wunsch ist die Wiedervereinigung." Aus dem Bus auf dem Rollfeld reichten viele Abreisende noch einmal ihre Arme aus den Fenstern, um ihren Lieben ein letztes Mal die Hände zu drücken.

Dank einer Ausnahmeregelung durfte kurz vor dem Abflug auch ein 69-Jähriger Nordkoreaner seine schwer kranke 88-jährige Mutter im Krankenhaus besuchen. Normalerweise durften sich die Familien nur an festgelegten Orten - einem Konferenzzentrum und einem Hotel - treffen. Die Familienzusammenführung hatte am Dienstag begonnen. Die jeweils 100 Menschen aus dem Süden und Norden wurden aus zehntausenden Bewerbern ausgewählt.

Am Rande der Familienzusammenführung gab es am Freitag zwei weitere Anzeichen für eine Annäherung der beiden koreanischen Staaten. Im Verbindungsbüro im Grenzort Panmunjom legte Südkorea der Gegenseite die Namen von 62 verurteilten Spionen vor, die Anfang September in den Norden zurückkehren dürfen. In Seoul traf ein 132 Mitglieder zählendes nordkoreanisches Symphonieorchester ein, das in den nächsten Tagen gemeinsam mit Musikern aus Südkorea vier Konzerte geben will.

Wie in Seoul inzwischen bekannt wurde, traf auch die Leiterin der nordkoreanischen Delegation, die 79-jährige Yoo Mi Young, unter Ausschluss der Öffentlichkeit ihre beiden Kinder wieder. Yoo ist die Ehefrau des ehemaligen südkoreanischen Außenministers Choi Duk Shin, der sich 1976 nach einem Finanzskandal mit seiner Frau in den Norden absetzte. Die Kinder blieben in Südkorea.

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