FARC-ENTFÜHRUNGEN : Das prominente Opfer: Ingrid Betancourt

Die wohl berühmteste Geisel der „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) war Ingrid Betancourt. Noch bevor die kolumbianisch-französische Grünenpolitikerin bei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien 2002 antreten konnte, wurde sie von den Rebellen entführt. Im Juli 2008 konnte Betancourt zusammen mit 14 anderen Geiseln befreit werden – nach 2322 Tagen in der Gewalt der Terrorgruppe, gefangen im Dschungel, oft angekettet, ständig bedroht, manchmal gefoltert. Sie schrieb mehrere Bücher, über das schwierige Verhältnis der Gefangenen untereinander, das Lagerleben, die Erniedrigungen, die gescheiterten Fluchtversuche, die brutalen Aufseher. Über Jahre setzte sich ihr Ehemann Juan Carlos Lecompte mit Erfolg für sie ein, versuchte, die Erinnerung an sie aufrechtzuerhalten. Auch Regierungen und NGOs setzten sich für sie ein. Ihr Promi-Status hatte Folgen: „Es dauerte viel zu lange, bis ich Mitgefühl für die anderen entwickeln konnte“, bekannte sie später. Ihr Verhalten habe die anderen verärgert. Weil während der Gefangenschaft in der Öffentlichkeit vor allem Betancourt als Geisel wahrgenommen wurde, hätten die anderen Entführten gelitten: „In der Öffentlichkeit gab es nur mich, das verletzte sie.“ Betancourt war die prominenteste, aber nicht die einzige, sondern eine von mindestens mehreren hundert Geiseln der sich selbst als marxistisch bezeichnenden Farc. Seit einem halben Jahrhundert befindet sich der Andenstaat in einem Bürgerkrieg zwischen rechten, paramilitärischen Todesschwadronen, linker Guerilla und dem Staat. Und Entführungen sind neben Erpressung, Goldabbau sowie Herstellung und Schmuggel illegaler Drogen eine der wesentlichsten Einnahmequellen. Die Farc werden von Kolumbien, Peru, USA, Kanada und der EU als terroristische Organisation eingestuft. Sie haben über die Jahre tausende Kinder als Soldaten rekrutiert, Zivilisten getötet, Landminen verlegt und deshalb zuletzt auch deutlich an Rückhalt in der Bevölkerung verloren. mis

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