Farce : Prozess gegen Suu Kyi in Birma verschoben

Der Prozess gegen die birmanische Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi ist vertagt wordent. Nach 19 Jahren Hausarrest sollte sie erneut verurteilt werden. Suu Kyi gab sich kämpferisch

Birmas Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi hat der Militärjunta beim Prozessauftakt am Montag in Rangun die Stirn geboten. Weil die Behörden sie nur Suu Kyi nannten und damit den Namen ihres berühmten Vaters, eines Nationalhelden, unterschlugen, weigerte sie sich, an dem Prozedere teilzunehmen, verlautete in Rangun. "Wenn Sie mich nicht beim richtigen Namen nennen können, werde ich mich nicht bewegen", habe Suu Kyi gesagt. Der Prozess wurde am Mittag vertagt. Er soll am Dienstag fortgesetzt werden.

Der Oppositionsführerin Suu Kyi droht kurz vor Ablauf ihres Hausarrests erneut eine Gefängnisstrafe. Anlass für den Prozess ist ein Vorfall mit einem US-Bürger. Medienberichten zufolge soll John William Yettaw aus bislang ungeklärten Gründen einen an Suu Kyis Haus gelegenen Teich durchschwommen und sich zwei Tage auf dem Gelände der Oppositionspolitikerin aufgehalten haben. Die birmanische Militärjunta wirft Suu Kyi nun Verstoß gegen die Auflagen ihres Arrestes vor - niemand dürfe in ihrem Haus übernachten.

Der Amerikaner ist ebenfalls angeklagt. Vertreter der US-Botschaft wurden daher zum Prozess zugelassen.

Suu Kyi will nach Angaben ihres Anwalts auf nicht schuldig plädieren. Der Prozess könnte mehrere Tage oder Wochen dauern. Die Anklage hat 22 Zeugen geladen.

Exil-Gruppen rechnen fest mit einem Schuldspruch. Damit könnte die Junta Suu Kyi vor den für nächstes Jahr in Aussicht gestellten Wahlen aus dem Verkehr ziehen. Ihr Hausarrest wäre Ende Mai nach sechs Jahren ausgelaufen.

Protest europäischer Botschafter

Die vier europäischen Botschafter in Rangun zeigten demonstrativ Flagge. Die Diplomaten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien fuhren im Konvoi in ihren Limousinen mit Standarte zu dem Gefängnis, berichteten Augenzeugen. Militärpatrouillen hielten sie an einer Straßenblockade auf und zwangen sie zur Umkehr. Aus Sorge vor Solidaritätskundgebungen wurde das Gefängnis weiträumig abgesperrt. Geschäfte in der Umgebung durften nicht öffnen.

Die Europäische Union hat die Militärjunta Birmas wegen der neuen Anklage gegen Suu Kyi kritisiert. Anstelle eines erneuten Verfahrens hätte der Hausarrest gegen die Friedensnobelpreisträgerin aufgehoben werden müssen, erklärte Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Freitag.

Suu Kyi hat den Großteil der vergangenen 19 Jahre in Form von Haft oder Hausarrest verbracht. Sie hatte 1990 die letzten freien Wahlen in Birma, das sich selbst Myanmar nennt, gewonnen. Die Militärjunta ignorierte das Ergebnis jedoch und ließ Suu Kyi verhaften. (Zeit online/rtr/dpa)

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