Politik : Farrow fordert mehr Hilfe für Darfur US-Schauspielerin mahnt auch Deutschland

Berlin - Die amerikanische Schauspielerin Mia Farrow fordert die Bundesregierung auf, mehr zum Schutz der Bevölkerung in der westsudanesischen Krisenregion Darfur zu tun. Zudem bittet sie Bundeskanzlerin Angela Merkel, die geplante EU-Schutztruppe an der Grenze zwischen Sudan und Tschad auch mit Soldaten zu unterstützen. Im Tschad leben hunderttausende Darfurflüchtlinge, zudem sind wegen der Kämpfe zwischen Rebellen und Regierung im Tschad auch tausende Tschader auf der Flucht. Die EU- Truppe soll die Zivilbevölkerung vor Angriffen der mit der sudanesischen Regierung verbündeten Reitermilizen Dschandschawid schützen. Sie sollte zunächst Ende November eingesetzt werden, nun wurde der Einsatz um einen Monat verschoben. Nach Informationen von Mia Farrow unter anderem deshalb, weil die Truppe zu schlecht ausgestattet sei.

Die zierliche 62-Jährige sitzt in einem Berliner Cafe und ärgert sich. Mit einer Hand hält sie einen Anhänger fest, den ihr eine Frau im Darfur geschenkt hat. Als Farrow das erste Mal in den Darfur gefahren ist, traf sie die Frau, die beim Angriff auf ihr Dorf durch die sudanesische Armee und die Dschandschawid ihren Mann und drei ihrer fünf Kinder verloren hat. „Ein Kind haben ihr die Milizen aus dem Arm gerissen und es vor ihren Augen aufgespießt, bevor sie die Frau vergewaltigt haben“, berichtet Farrow im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Ihre Lippen zittern ein wenig, als sie fortfährt: „Sie hat mich gebeten: Berichten Sie der Welt, was hier passiert. Das war 2004. Und was ist passiert? Nichts!“

Farrow kritisierte die internationale Gemeinschaft scharf dafür, dass die geplante Hybridtruppe der Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union von 26 000 Mann nicht einsatzfähig sei. Der Kommandant der Truppe habe 24 Hubschrauber gefordert. „Nicht ein einziges Land hat der Truppe einen Hubschrauber zur Verfügung gestellt“, sagte sie. „Wir versagen vor dem Leiden der Menschen im Darfur. Dort sind inzwischen 80 Prozent der Dörfer zerstört. Der Völkermord ist nahezu vollendet.“ Im kommenden Monat reist Farrow ein achtes Mal in den Darfur.

Zugleich kritisierte der für Friedenseinsätze zuständige UN-Koordinator Jean- Marie Guéhenno nach einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats erneut die sudanesische Regierung für ihre mangelnde Kooperation. „Die Forderungen der Regierung in Khartum machen die Arbeitsfähigkeit der Mission zunichte“, sagte er. Sie verlange über jede Truppenbewegung informiert zu werden und wolle das Recht, jederzeit die Kommunikation der UN- Truppe unterbinden zu können. Seit Wochen lägen Truppenlisten in Khartum, die nicht genehmigt würden. Die UN hätten weder das für ihre Stützpunkte nötige Gelände erhalten, noch seien die erforderlichen Visa erteilt worden. Sudans UN-Botschafter wies die Vorwürfe zurück. Bei den Wünschen seiner Regierung handle es sich um Detailfragen. deh/epd

Am Donnerstag um 10 Uhr nimmt Mia Farrow am Holocaust-Mahnmal in Berlin an einer Zeremonie unter dem Motto „China, bitte bringe den olympischen Frieden nach Darfur“ teil.

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