Politik : Fatah-Aktivist stirbt durch Autobombe

Jerusalem (dpa/rtr).

Jerusalem (dpa/rtr). Nach der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rechawam Seewi durch radikale Palästinenser am Mittwoch ist die Gewalt im Nahen Osten wieder eskaliert. Ein führender Aktivist der palästinensischen Fatah-Bewegung kam am Donnerstag ums Leben, als in der Stadt Bethlehem sein Auto explodierte. Zwei weitere Insassen des Fahrzeugs starben ebenfalls. Nach palästinensischen Angaben sei dies ein gezielter Anschlag auf den führenden Fatah-Aktivisten Atef Abajat gewesen. Er war einer der von Israel am meisten gesuchten Palästinenser.

Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon teilte unterdessen mit, Abajat habe möglicherweise eine Autobombe präpariert, die vorzeitig explodiert sei. Israel machte Abajat für den Tod von fünf Israelis verantwortlich. Scharon hatte kürzlich seine Politik der gezielten Tötung mutmaßlicher palästinensischer Extremisten wieder aufgenommen. Nach der Autoexplosion feuerten Palästinenser nahe Jericho auf das Auto eines Isrealis. Sanitäter berichteten, neben dem getöteten Israeli seien zwei weitere verletzt worden.

Wenig später eröffneten Palästinenser auch das Feuer auf das jüdische Wohnviertel Gilo im Süden Jerusalems. Nach israelischen Medienberichten gab es zahlreiche Einschläge, aber noch keine Informationen über Tote oder Verletzte. Der Beschuss dauerte noch bis in die frühen Morgenstunden des Freitag an.

Mehrere israelische Panzer drangen am frühen Freitagmorgen auch nach Bethlehem ein. Wie Radio Israel unter Berufung auf palästinensische Angaben berichtete, zerstörten die Panzer eine palästinensische Stellung und mehrere Autos. Die Israelische Armee will Bethlehem offenbar vorerst besetzt halten.

Am Abend wurde eine Israelin getötet, als Palästinenser in einem Wüstengebiet südlich von Jericho ihr Fahrzeug beschossen. Zwei weitere Insassen wurden dabei verletzt. Am Donnerstagmorgen waren israelische Truppen mit Panzern in die Außenbezirke der palästinensischen Städte Ramallah und Jenin im Westjordanland vorgestoßen und hatten dort neue Stützpunkte errichtet. Dabei wurden mindestens drei Palästinenser getötet: ein zehnjähriges Schulmädchen und zwei palästinensische Polizisten. Nach palästinensichen Angaben wurden zudem mindestens 16 Personen verletzt, unter ihnen auch Jugendliche, als eine israelische Granate in einer Schule in Jenin einschlug.

In einer Stellungnahme verlangte das israelische Kabinett am frühen Donnerstagmorgen von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, er müsse radikale palästinensische Gruppen ausgrenzen. Israel werde die Autonomiebehörde andernfalls als "terroristische Einheit" betrachten und entsprechend gegen sie vorgehen.

Mit Blick auf die US-Militärschläge gegen die Taliban-Regierung in Afghanistan sagte Israels Kabinetts-Minister Gideon Saar, Israel werde "auf die Weise gegen die Palästinenser-Regierung vorgehen, die derzeit von der internationalen Gemeinschaft akzeptiert wird". Arafat müsse alle Verantwortlichen der Tötung Seewis an Israel überstellen. Die palästinensische Führung wies das Ultimatum kategorisch zurück. Die USA mahnten Israel zur Zurückhaltung. "Wir rufen beide Seiten auf, die positiven Schritte, die vorher unternommen wurden, fortzusetzen", sagte der Sprecher des Außenministeriums, Philip Reeker, am Donnerstag in Washington. "Alle Seiten müssen sich bemühen, das Vertrauen wieder herzustellen und sollten Schritte vermeiden, die die Situation anheizen und Maßnahmen zur Beruhigung schwieriger machen." Terrorakte sollten Palästinenser und Israelis nicht von ihrem Kurs zu einer Friedenslösung ablenken. Palästinenserpräsident Jassir Arafat müsse unbedingt dafür sorgen, dass die Verantwortlichen für das Attentat gefasst werden. Dazu hatte sich die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) bekannt.

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