Politik : Fatah kritisiert Sanktionen gegen Hamas

Ramallah/Genf/Tel Aviv - Die Palästinenserführung erwartet angesichts der von Israel angekündigten Stromkürzungen für den Gazastreifen ein Einschreiten der internationalen Gemeinschaft. Chefunterhändler Saeb Erekat forderte am Freitag in Ramallah, die Palästinenser davor zu schützen, von Israel an den Tropf gehängt zu werden.

Verteidigungsminister Ehud Barakh hatte am Donnerstag die geplante Kürzung der Strom- und Treibstofflieferungen sowie die stundenweise Abschaltung der Energieversorgung im Gazastreifen genehmigt. Die Umsetzung der Maßnahmen liegt jetzt allein in der Hand des Verteidigungsministeriums. Nach dessen Angaben soll der Strom ab der kommenden Woche abgeschaltet werden. Der Schritt war beschlossen worden, nachdem militante Palästinenser in den vergangenen vier Monaten aus dem Gazastreifen rund 1000 Kassam-Raketen und Mörsergranaten auf Israel abgefeuert hatten. Allein am Donnerstag schlugen laut Armee zehn Raketen und zehn Mörsergranaten auf israelischem Boden ein.

UN-Nothilfekoordinator John Holmes verurteilte in Genf die Raketenangriffe, fügte aber hinzu, die Bestrafung der Bevölkerung von Gaza sei keine angemessene Antwort darauf. Die Kürzung der Stromversorgung werde ein normales Wirtschaftsleben immer schwieriger machen. Die UN hatten im Juli 3000 Wagenladungen Hilfsgüter in den Gazastreifen transportiert, im September seien es nur noch 1508 gewesen.

Die palästinensische Menschenrechtsorganisation hält rund 60 Prozent der 1,5 Millionen Palästinenser im Gazastreifen von den geplanten Stromkürzungen für potenziell betroffen. Auch müssten öffentliche Dienstleistungen weiter eingeschränkt werden. Aufgrund der bisherigen Wirtschaftssanktionen Israels hätten sich die Preise für einige Waren bereits um bis zu 500 Prozent verteuert. Israel hatte erste Sanktionen verhängt, nachdem ein Soldat im Juni 2006 in den Gazastreifen entführt worden war. Die Strafmaßnahmen wurden verschärft, nachdem die Hamas nach einem Bruderkampf mit der Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas Mitte Juni die Kontrolle im Gazastreifen übernommen hatte. dpa

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