Politik : Favorit der Großväter - KP-Chef Sjuganow behauptet sich mit gutem Ergebnis

Fast wäre es KP-Chef Gennadi Sjuganow gelungen, den klaren Favoriten Wladimir Putin in eine Stichwahl um das Präsidentenamt zu zwingen. Lange Stunden blieb der Wunschnachfolger des Silvester 1999 zurückgetretenen Präsidenten Boris Jelzin unter der im ersten Wahlgang erforderlichen absoluten Mehrheit, und die Stimmung des 56-jährigen Herausforderers war bestens. Als nach Mitternacht der Trend mit den Ergebnissen aus den bevölkerungsreicheren Gebieten im Westen zu seinen Ungunsten kippte, führte er das wütend auf Manipulationen zurück.

Dennoch sind die rund 30 Prozent für Sjuganow ein Achtungserfolg für eine Partei, deren Wähler meist älter sind als die seit dem Ende der Sowjetunion gesunkene durchschnittliche Lebenserwartung in Russland. In Umfragen lag der KP-Vorsitzende deutlich unter seinem jetzigen Ergebnis.

Putin sprach das unerwartet gute Abschneiden des Kommunisten bereits in seiner ersten Reaktion an und erklärte es zur Aufgabe der neuen Regierung, den Lebensstandard zu verbessern. Auch ein Einbinden der Opposition - die KP stellt immer noch die größte Duma-Fraktion - in die Regierungsarbeit könne er sich vorstellen.

Die Kommunisten verfügen in Russland noch immer über die beste und am weitesten verbreitete Parteiorganisation. Neben dem Heer der verarmten Rentner wird sie von Landarbeitern auf maroden Kollektivhöfen unterstützt, die Existenzängste im Falle einer Landreform haben. Sjuganow versuchte, mit einem Bekenntnis zur Demokratie und einer Abkehr von ehernen kommunistischen Grundsätzen die Wählerbasis zu verbreitern. Nach wie vor will die KP aber privatisierte Schlüsselindustrien wieder verstaatlichen und die Wirtschaft unter strenge Kontrolle stellen.

Analytiker wie Andrej Rjabow vom Moskauer Carnegie-Zentrum betrachten es als die wichtigste Herausforderung an die Kommunisten, ihre Position als wichtigste Oppositionspartei zu behaupten. Mit einer allmählich weg sterbenden Wählerschaft wird das immer schwerer. Junge Wähler fühlen sich nicht zu ihnen hingezogen. "Sie sind die Partei meines Großvaters," sagte die Studentin Marina Dawidowa bei einem Wahlkampfauftritt Sjuganows in Tscheljabinsk."Ich habe fast Mitleid mit ihnen."

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