Politik : FBI warnt vor Terror durch Rechtsextremisten in den USA

Frank Jansen

Washington/Berlin - Die Meldung kam passend zum Jahrestag des Grauens. Am 19. April 1995 sprengte der Rechtsextremist Timothy McVeigh in Oklahoma City ein Gebäude, in dem mehrere Regierungsbehörden untergebracht waren. 168 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt. Zehn Jahre danach meldet der US-Fernsehsender ABC nun, laut einem Geheimbericht des FBI agierten in den Vereinigten Staaten 22 einheimische Terrorgruppen, außerdem seien 338 Ermittlungsverfahren anhängig.

Genannt werden vor allem rechtsextreme Gruppierungen wie die „Aryan Nations“ und die „National Alliance“, die nach Angaben deutscher Experten Kontakte zur NPD unterhält. Allein gegen die National Alliance ermittle das FBI in 51 Fällen, zitiert ABC aus dem FBI-Bericht. Der Rechtsextremismusexperte Brian Levin von der Universität des Staates Kalifornien warne, so ABC, vor „tickenden Zeitbomben“, die noch schlimmere Verbrechen verüben könnten als der vor vier Jahren hingerichtete Timothy McVeigh. Nach Ansicht von Levin geht die größte Gefahr von kleinen Zellen und Einzeltätern aus, die sich als „einsame Wölfe“ sehen und aus dem Internet die Anleitungen zum Bombenbau besorgten.

Die amerikanischen Sicherheitsbehörden trauen der rechtsextremen Szene sogar Anschläge zu, die fast schon mit dem von Al Qaida verübten Terrorangriff des 11. September 2001 vergleichbar wären. So entdeckte das FBI im April 2003 im texanischen Ort Noonday ein Depot mit chemischen Giftstoffen wie Natriumzyanid, Salzsäure und Salpetersäure, außerdem Maschinengewehre und große Mengen Munition. Eine Zyanidbombe war bereits fertig. Bei dem Besitzer des Arsenals wurden außerdem Hetzschriften von „white supremacists“ gefunden, die einen Weiße-Rasse-Kult propagieren.

Schon zuvor hatte der US-Experte Mark Pitcavage in der Friedrich-Ebert- Stiftung in Berlin eine Gefahr skizziert, die sich auch auf Deutschland übertragen könnte. In amerikanischen Gefängnissen bilden sich zunehmend Banden extrem gewalttätiger Rassisten. Ein Phänomen mit Doppelfunktion: Die Banden kombinierten Fremdenhass mit organisierter Kriminalität.

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