FDP : Brüderle bringt Schwung hinein

Die Südwest-FDP redet sich Mut selbst gut für die Wahl zu und versucht den Blick nach vorn zu richten.

Roland Muschel
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Ulrich Goll redet schon fast eine Dreiviertelstunde, da nimmt seine Rede doch noch Fahrt auf. „Wir lassen uns diese Partei nicht kaputtmachen und runterziehen, von nichts und niemandem“, ruft der Spitzenkandidat der baden-württembergischen FDP den Delegierten in der Stuttgarter Liederhalle zu. Auch nach der Landtagswahl am 27. März werde die FDP die Geschicke des Landes mitbestimmen – „sowohl im Landtag wie in der Landesregierung“. Vor dem Dreikönigstreffen versucht die Spitze der Südwest-Liberalen den Blick nach vorn zu richten – bei Umfragewerten von vier Prozent. Den Bundesvorsitzenden Guido Westerwelle erwähnt Goll in seiner Rede nicht.

In der Aussprache am Vorabend hatte eine Delegierte gemahnt, aus Berlin dürfe nun kein Gegenwind mehr kommen: „Wenn wir nicht aufpassen, fallen wir durch den Rost am 27. März.“ Ein oberschwäbischer Kreistagsabgeordneter klagt, dass es derzeit „kein Spaß ist als Liberaler an den Stammtischen“. Ein weiterer Delegierter sieht auf die Partei zwei Wahlkämpfe zukommen: Einen zur Wahl – und zuvor den um die eigenen frustrierten Mitglieder.

Wolfgang Weng verteidigt den Brief, in dem er und drei Mitstreiter Westerwelles Rücktritt gefordert und damit die bundesweite Debatte befeuert hatten: „Das Schiff ist von 18,8 auf vier Prozent runtergesteuert worden“, sagt der Ehrenvorsitzende der FDP in der Region Stuttgart. Immerhin habe die Führung jetzt begriffen, dass es „so nicht weitergehen kann“. Ab Dreikönig, verspricht Weng im Gegenzug, stehe man aber öffentlich zusammen. Doch unter der Oberfläche brodelt es. „Viele sind der Auffassung, dass Westerwelle das Vertrauen der Wähler missbraucht hat“, meint Georg Gallus, als ehemaliger Bundespolitiker in der Südwest-FDP noch immer ein Name. „Westerwelle soll den Vorsitz niederlegen und ein Vizevorsitzender die FDP bis zum Parteitag in Rostock führen“, sagte Gallus dem Tagesspiegel.

Am Rande des Parteitags muss sich die FDP-Landesvorsitzende Birgit Homburger gegen Spekulationen erwehren, ihre Ablösung als Bundestagsfraktionschefin stünde bevor. Als Verteidiger springt ihr Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, dessen rheinland-pfälzischer Landesverband ebenfalls am 27. März eine Wahl zu bestehen hat. In seinem Grußwort vor den Delegierten sagt er: „Ich finde dich, Birgit, prima!“ Dann geht er in die Offensive: „Was Deutschland für Europa ist, ist Baden-Württemberg für Deutschland.“ Nämlich der Wachstumsmotor. Er lässt sich von der Basis begeistert beklatschen für kämpferische Ansagen („ich halte nichts von einem Säuselliberalismus“) und für sein Nein zur Opel-Hilfe. Westerwelle erwähnt auch er nicht. Vor seinem Grußwort, das sich zu einer halbstündigen Grundsatzrede auswächst, hat sich Brüderle am Stand der Jungen Liberalen auf einem Motorrad fotografieren lassen. Unter dem ausgedruckten Bild steht: „Damit der Motor läuft.“

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