FDP-Chef Rösler im Interview : "Die Menschen erwarten Ehrlichkeit"

FDP-Chef Philipp Rösler spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die Finanzhilfen für Griechenland, politische Denkverbote und die Unruhe an den Finanzmärkten.

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Philipp Rösler (38) ist FDP-Vorsitzender. Seit Mai 2011 ist er auch Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.
Philipp Rösler (38) ist FDP-Vorsitzender. Seit Mai 2011 ist er auch Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.Foto: Mike Wolff

Herr Rösler, traut der Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Deutschlands den Griechen noch zu, dass sie eine Staatspleite abwenden können?

Die Verantwortung dafür liegt in Athen. Noch im Oktober werde ich mit einer 40-köpfigen Unternehmerdelegation nach Griechenland reisen, um Möglichkeiten einer konkreten Zusammenarbeit auszuloten. Sie sehen: Wir werden alles tun, was in unseren Möglichkeiten liegt, um den Griechen dabei zu helfen.

Gehört zu Ihren Hilfsangeboten auch, die Griechen in eine Staatspleite zu reden?

Im Gegenteil: Wir wollen Griechenland in der Euro-Zone halten. Dazu muss das Land aber wirtschaftlich auf die Beine kommen. Es darf bei dieser schwierigen Aufgabe keine Denkverbote geben.

Wer hat solche Denkverbote ausgesprochen?

Die Menschen erwarten von ihrer Regierung Ehrlichkeit! Man muss ihnen sagen, was passieren kann, wenn Griechenland seine Zusagen für Reformen nicht einhält. Kurzfristige Rettungsmaßnahmen drohen sonst zu verpuffen.

Sind Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble nicht ehrlich?

Die gesamte Bundesregierung hat immer Wert darauf gelegt, dass dieser Prozess transparent bleibt. Wir dürfen uns aber nicht nur damit beschäftigen, was nicht geht, sondern müssen auch langfristige Perspektiven aufzeigen. Wir gehören unterschiedlichen Parteien an und bewerten die Dinge in eigener Verantwortung mit dem Ziel gemeinsamen Handelns. So ist das in Koalitionen.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Rösler auf die Mahnungen von Kanzlerin Merkel reagiert.

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