Politik : FDP: Der Stellvertreter, ein Verlierer

Markus Feldenkirchen

Jürgen Möllemann hat viel zu sagen an diesem Mittwochmorgen. Der entscheidende Satz, den der FDP-Chef von Nordrhein-Westfalen im Thomas-Dehler-Haus verliest, steht mit blauem Filzstift am Rand des Manuskripts, und er kommt erst nach einer Viertelstunde: "Ich habe mich entschieden, für das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP zu kandidieren." Es scheint, als habe er diesen Satz bewusst hinauszögern wollen, weil viele ihn als Niederlage im Gerangel um einen möglichen Kanzlerkandidaten Möllemann interpretieren werden. Denn mit seiner Bereitschaft, auf dem FDP-Parteitag Ende nächster Woche für den Vize-Vorsitz zu kandidieren, beugt sich Möllemann der Vorgabe des designierten Vorsitzenden Guido Westerwelle.

Dessen Versuch, den Quertreiber mit der Vorliebe für einen liberalen Kanzlerkandidaten in ein Führungsteam einzubinden, ist vorerst geglückt. "Ich freue mich sehr, dass Jürgen Möllemann mein Angebot angenommen hat", sagt Westerwelle später. Es sei gut, dass Möllemann "in jedem Fall" als Vizevorsitzender im Wahlkampf im Team der FDP sein werde. Die Betonung lag auf "Team" und auf "jedem Fall" - will heißen: Möllemann kann die Delegierten nicht vor die Wahl stellen, ihn als Kanzlerkandidaten zu akzeptieren oder sein Reklame-Talent für die Partei zu verschenken.

Möllemanns Entscheidung, so die Version beider Seiten, fiel erst kurz vor der Bekanntgabe. Zwei Stunden hatte er am Vorabend mit Westerwelle verhandelt, noch kurz vor seinem öffentlichen Auftritt sprach Möllemann noch einmal mit Westerwelle. Der künftige Parteichef hat ihm offenkundig klar gemacht, dass Möllemann womöglich alles verliert, wenn er das Angebot für den Vizevorsitz ausschlägt und allein auf die Kanzlerkandidatur setzt. Auf die setzt Möllemann wortreich trotzdem weiter. Die "Strategie 18", auf die er sich ja mit Westerwelle gemeinsam verständigt habe, bestehe nun mal aus vier Elementen, die einander bedingten. Ein Element sei der eigene Kanzlerkandidat. "Natürlich würde ich es gerne werden", sagte Möllemann. "Aber wenn Westerwelle mich in einer anderen Funktion haben will, mache ich das auch." Und wenn der Chef den Kanzleranwärter selber machen wolle - bitteschön. Aber ein Starker sei daran zu erkennen, daß er andere Starke neben sich dulde. Westerwelle kommentiert später süffisant, das Lob des Kollegen Möllemann, seine Eignungen betreffend, habe ihn gefreut. "Ich teile durchaus seine Einschätzung."

Ist die Kandidaten-Frage damit geklärt? Ein Rest Spannung bleibt, denn am Ende entscheiden die Delegierten. Aber auch bei denen sind Möllemanns Chancen eher gesunken. Seit Cornelia Pieper, die FDP-Vorsitzende von Sachsen-Anhalt und inoffizielle Sprecherin der Liberalen im Osten, von Westerwelle als neue Generalsekretärin vorgeschlagen wurde, findet sie die Idee vom Kanzlerkandidaten nicht mehr so reizvoll wie vorher. Das könnte die bisherige Unterstützung der Ost-Liberalen für Möllemann zumindest einschränken. Für den Notfall arbeiten die Hessen, Heimatverband des Noch-Vorsitzenden Wolfgang Gerhardt, schon an Gegenanträgen zum "Projekt 18". Sollte sich Möllemann nicht durchsetzen, wird er sich zumindest auf stärkere Unterstützung im FDP-Präsidium freuen können. Wie der Tagesspiegel erfuhr, will Wolfgang Kubicki, der FDP-Vorsitzende von Schleswig-Holstein und alte Vertraute Möllemanns, für das Präsidium kandidieren.

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