Politik : FDP: Mehrheit will eigenen Kanzlerkandidaten

Rund zwei Wochen vor dem Düsseldorfer FDP-Bundesparteitag hat die Debatte um die Wahl eines eigenen Kanzlerkandidaten der Liberalen weiter an Brisanz gewonnen. Nach Informationen der "Welt am Sonntag" haben neueste Umfragen in den FDP-Landesverbänden ergeben, dass sich die Delegierten in ihrer Mehrheit für eine solche Personalentscheidung aussprechen werden. Dies gelte mittlerweile als sicher, berichtete das Blatt.

Der scheidende FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt lehnte einen Kanzlerkandidaten der Freien Demokraten am Osterwochenende erneut entschieden ab. Gerhardt sagte, der designierte Parteichef Guido Westerwelle werde nach seiner Wahl die Führung der FDP verkörpern und damit auch Spitzenkandidat sein. Ein Kanzlerkandidat daneben sei entbehrlich. Der nordrhein-westfälische FDP-Landesvorsitzenden Jürgen Möllemann, der die Debatte in Gang gebracht hatte und selbst als Kanzlerkandidat ins Rennen gehen will, betonte dagegen: "Wer Angst hat, einen Kanzlerkandidaten zu benennen, wird auch nicht den Mut haben, 18 Prozent anzustreben und sich auch nicht trauen, ohne Koalitionsaussage anzutreten." In Wahrheit gehe es "um die alte gegen die neue Strategie".

Westerwelle, der sich bisher immer gegen einen Kanzlerkandidaten ausgesprochen hatte, will in diesen Tagen abschließende Gespräche über eine Nachfolge in seinem Amt als Generalsekretär führen. Im vertrauten Kreis hat er laut "Welt am Sonntag" bereits angekündigt: "Ich habe eine klare Präferenz für eine Frau im Führungsteam der FDP." Endgültig verzichtet hat die 30-jährige Brüsseler Unternehmerin Silvana Koch-Mehrin. Sie erklärte der Zeitung: "Ich stehe für das Amt des Generalsekretärs mit absoluter Sicherheit nicht zur Verfügung. Ich werde für den Bundesvorstand kandidieren." Dass es in der künftigen Doppelspitze Westerwelle/Gerhardt Schwierigkeiten geben könnte, hält Gerhardt für ausgeschlossen. Westerwelle und er hätten sich während ihrer sechsjähriger Zusammenarbeit gut verstanden. Dabei habe es keine wirklich großen Konflikte gegeben. "Ich bin überzeugt, das wird so bleiben. Dieses Doppel wird funktionieren."

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat eine baldige Klärung des Verfahrens für die Aufstellung des gemeinsamen Kanzlerkandidaten der Unionsparteien gefordert. Geißler sagte am Osterwochenende: "Es wäre gescheit, wenn man sich auf einen Fahrplan einigen würde." Die Entscheidung über den Kandidaten selbst sollte nach seiner Einschätzung aber nicht vor dem Frühjahr 2002 fallen. "Das reicht völlig." Die nächste Bundestagswahl ist im Herbst 2002. Eine Kür durch die Bundestagsfraktion- wie 1979 im Fall des bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß - sollte es laut Geißler nicht geben.

Geißler wollte sich nicht darauf festlegen, ob er die CDU-Chefin Angela Merkel oder den CSU-Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber persönlich als Kanzlerkandidaten bevorzugt. "Dazu ist es zu früh." Die Union sollte sich aber auch an dem Kriterium orientieren: "Vor wem müsste die SPD und der Bundeskanzler mehr Angst haben - vor der Frau oder dem Mann? Ich persönlich würde vermuten: Vor der Frau." Geißler unterstützte zugleich die Forderung von CSU-Generalsekretär Thomas Goppel nach einer Verbreiterung der Unions-Führung. "Die Union hat eine Reihe von guten Leuten, die auch gute demoskopische Bewertungen haben." Es wäre nicht zu verstehen, warum diese Sympathiepotenzial nicht genutzt würde.

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