Politik : FDP streitet über Möllemann

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Berlin (bib/Ch.B.). Der FDP-Ehrenvorsitzende Otto Graf Lambsdorff hat Parteivize Jürgen Möllemann vorgeworfen, er bediene alte antisemitische Klischees. Lambsdorff sagte dem Tagesspiegel, auch er sei mit dem „oft demagogischen Redestil“ des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, nicht einverstanden. „Aber man darf keinem Juden vorwerfen, er löse durch sein Verhalten und seine Worte Antisemitismus aus. Das muss Möllemann begreifen.“ Der Chef der NRW-FDP hatte Friedman für wachsenden Antisemitismus mitverantwortlich gemacht.

Für überzogen hält Lambsdorff aber die Reaktion der Vizepräsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch. Sie hatte in n-tv gesagt, Möllemann habe sich als Antisemit geoutet und „sich in die Reihe der Volksverhetzer“ eingereiht. „Da ist die ganz große Keule ausgepackt worden“, kritisierte Lambsdorff. Er zeigte sich „nicht glücklich“ darüber, dass der umstrittene Ex-Grüne Jamal Karsli weiter in der nordrhein-westfälischen FDP-Landtagsfraktion mitarbeiten soll. Seine Hauptforderung sei aber erfüllt worden: „Ich habe immer gesagt, Karsli darf kein Parteimitglied der Liberalen sein, und das ist erreicht.“ Von einem faulen Trick könne keine Rede sein. Mit dieser Formulierung hat die FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher die Absprache zwischen Möllemann und Westerwelle missbilligt. Sie warf Möllemann vor, er fische bewusst „im trüben rechten Wählerteich“.

Am Freitag behandelt das FDP-Präsidium den Fall Karsli. Dort wird mit Rügen für Möllemann und Kritik am Krisenmanagement von Parteichef Guido Westerwelle gerechnet. Eine scharfe Kontroverse wird es aber wohl kurz vor der Israel-Reise Westerwelles nicht geben. Möllemann betonte, die FDP habe sich bei Karsli äußerem Druck gebeugt. Er selbst würde dies kein weiteres Mal akzeptieren.

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