FDP und Drei-König : Drei-Prinzessinnen-Treffen

Die FDP zu Dreikönig: Aufstiege begannen dort, seit jeher, Abstiege auch. In jedem Fall gab es wegweisende Reden. Ein Kommentar

So sah die FDP noch 2013 bei Dreikönig aus.
So sah die FDP noch 2013 bei Dreikönig aus.Foto: Reuters

Das Drei-Königs-Treffen der FDP … Mein Gott, waren das Zeiten. Da musste man früher unbedingt hin. Nicht nur wegen des für Politik ungewöhnlichen Ambientes, des Staatstheaters in Stuttgart, sondern vor allem wegen der innerparteilichen Bedeutung. Aufstiege begannen dort, seit jeher, Abstiege auch. In jedem Fall gab es wegweisende Reden.
Dass Philipp Rösler ein qualvoller Abstieg bevorstehen könnte – ein Zeichen dafür war, wie er bei Dreikönig ankam. Eben nicht. Applaus kann ja auch nach Rauswurf klingen. In der Rückschau war Dirk Niebels Kritik am Unzustand seiner Partei, eine Attacke mit schwerem Geschütz, nur zu wahr. Aber wer wollte das seinerzeit schon wahrhaben?
Das Drei-Königs-Treffen heute: Es gibt immerhin mindestens eines, das bemerkenswert ist – dass es neben allem anderen auch ein Drei-Prinzessinnen-Treffen ist. Frauen waren bei der FDP ja lange im Hintertreffen. Die drei sind Nicola Beer aus Hessen, 44, Generalsekretärin der FDP, Katja Suding, 39, Hamburger Spitzenkandidatin, und Lencke Steiner, 29, die Bremen erobern will. „Power- Frauen“, wie Beer sich und ihren Parteifreundinnen Mut macht. Suding, von Guido Westerwelle entdeckt, will die 6,7 Prozent aus dem Jahr 2011 sogar überbieten. Diesen Anspruch nur schon zu formulieren, erfordert wirklich einigen Mut. Und Kollegin Steinke? Die spricht von acht Prozent, die sie schaffen will.

Kommt die Rettung aus dem Norden?

Acht Prozent – die hatte die FDP zu ihren besseren Zeiten als Ziel ausgegeben, und bereits damals erschien das wagemutig, ja waghalsig. Heute aber erst recht, da die Freien Demokraten in Umfragen zwischen zwei und vier Prozent schwanken, dümpeln geradezu. Ob die Rettung aus dem Norden kommt?

Entwicklungsminister Dirk Niebel hat die Krise in der FDP mit scharfer Kritik an der Parteispitze um Philipp Rösler angeheizt.

Niebel rechnet mit FDP-Spitze ab - Rösler verlangt Fairness

Philipp Rösler (39): Der Wirtschaftsminister und Vizekanzler will nicht kampflos die Spitze räumen. Viele Abgeordnete und einige Landesverbände trauen ihm aber nicht mehr zu, den Wiedereinzug in den Bundestag zu sichern. Rösler hat sein politisches Schicksal mit dem Abschneiden in seiner Heimat Niedersachsen verknüpft. Scheitert die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde, dürfte er rasch zurücktreten. Bei knapp über 5 Prozent könnte er versuchen, sich in eine Teamlösung mit Fraktionschef Brüderle zu retten. Oder Rösler gibt den Vorsitz ab, bleibt aber Wirtschaftsminister.

Philipp Röslers Zeit ist vorbei

Rösler ist nicht das Problem der FDP

2013 wird für die Liberalen zum Schicksalsjahr

FDP-Chef Rösler lehnt Rücktritt ab

FDP-Wähler halten Brüderle für besseren Parteichef


Wenn man den Vizekönig der FDP fragt, Wolfgang Kubicki aus Kiel, dann gewiss. Acht Prozent – er weiß, wie man die schaffen kann. Bei der Landtagswahl 2012 erreichte die FDP mit ihm als Spitzenkandidat 8,2 Prozent. Das erinnert an Zeiten mit Jürgen W. Möllemann, der mit Kubicki dicke war; Möllemann, der der Entdecker von Kubickis heutigem Partner in der Führung ist, von Christian Lindner. Ob Kubicki dem auch deshalb so die Treue hält? Gleichviel, die Art, wie sich beide ergänzen, ist erstaunlich. Die eröffnet Lindner sogar die Möglichkeit, sich im Widerspruch zu Kubicki zu profilieren.
In der Beurteilung der „Pegida“ zeigt es sich gut. Während Kubicki ein gewisses Verständnis für die Sorgen derer bekundet, die bei „Pegida“ mitmarschieren, zeigt Lindner geradezu demonstrativ sein Unverständnis. Diese Haltung hat eine urliberale Tradition. Kubicki als der Advocatus diaboli, der er nicht selten ist und sein will, berührt hingegen ihren nationalen Rand – und das hat auch Tradition.

Kein Tag ohne Missbrauch in Indien

Was die Pleite von Beate Uhse aussagt

Prinz Harry und Meghan Markle heiraten im Mai

Neue Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Dustin Hoffman

Die FDP hatte immer einen nationalliberalen Anteil, mal mehr, mal weniger. Nicht zuletzt war das ein großes und umstrittenes Thema zu Möllemanns Zeiten; Zeiten, in denen die FDP über ihr Wahlziel acht Prozent hinauswuchs. Die Frage ist allerdings, ob die Wähler diese Spreizung im Liberalen noch nachzuvollziehen bereit sind. Hans- Olaf Henkel ist schon bei der AfD. Aber die Reden zu Dreikönig werden den Weg weisen.

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

21 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben