Politik : FDP: Westerwelle warnt seine Partei vor Übermut

Bernd Hops

Die Nominierung eines eigenen Kanzlerkandidaten lehnt der designierte FDP-Parteichef Guido Westerwelle ab. Zwar erwartet der noch amtierende Generalsekretär, dass die Liberalen bei ihrem Parteitag vom 4. bis zum 6. Mai einen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2002 nominieren werden. Aber Westerwelle schränkte am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin ein: "Dies unter dem Namen Kanzlerkandidat laufen zu lassen, überschreitet die Grenze zwischen Mut und Übermut." Damit stellt sich Westerwelle weiter gegen den Plan des Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen FDP, Jürgen Möllemann, einen liberalen Bewerber um das Kanzleramt bestimmen zu lassen. Für diese Position hat sich Möllemann bereits in Spiel gebracht.

Westerwelle bemüht sich derzeit, Möllemann stärker in die Bundes-FDP einzubinden. Doch der Chef des größten FDP-Landesverbandes ließ auch am Donnerstag offen, ob er für das Amt eines Partei-Vize kandidieren wolle. Zurzeit befindet er sich im Osterurlaub. Erst am kommenden Montag werde er wieder an einer Sitzung des FDP-Präsidiums teilnehmen, sagte sein Sprecher dem Tagesspiegel. Wolfgang Kubicki, Vorsitzender der Kieler FDP-Landtagsfraktion und einer der innerparteilichen Unterstützer Möllemanns, rechnet jedoch mit einer Kandidatur. Im Deutschlandfunk sagte er: "Meine Prognose ist: Möllemann wird kommen. Mein Wunsch ist: Möllemann wird kommen, weil es nicht um Möllemann geht, sondern um eine sehr starke FDP. Und die funktioniert nur in dieser Konstellation." Kubicki machte jedoch auch deutlich, Möllemann werde nur bei einem Strategiewechsel zur Verfügung stehen. Und dazu gehöre ein eigener Kanzlerkandidat.

Cornelia Pieper, die designierte FDP-Generalsekretärin, betonte hingegen gegenüber der Chemnitzer "Freien Presse", dass nur der Parteivorsitzende Spitzenkandidat der FDP bei der Bundestagswahl sein könne. Für nicht sinnvoll hält sie, neben dem Vorsitzenden einen Kanzlerkandidaten zu haben. Sie zeigte sich außerdem skeptisch, ob es überhaupt sinnvoll sei, einen Bewerber um das Kanzleramt ins Rennen zu schicken.

Im Vorstand der Freien Demokraten sind die Meinungen darüber geteilt, ob Möllemann auf dem kommenden Parteitag die Auseinandersetzung mit Westerwelle - und Pieper - suchen wird. Vorstandsmitglied Martin Matz sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es sei nicht zu erwarten, dass Möllemann sich mit dem Amt des Partei-Vize begnügen werde. Er werde sehr wahrscheinlich weiter auf eine Nominierung eines Kanzlerkandidaten drängen. Dagegen sagte FDP-Vize Walter Döring dem Tagesspiegel, einen Kanzlerkandidat brauche es nicht. Ähnlich wie Westerwelle begründete er: "Mit einem Kanzlerkandidat kommt der Übermut vor dem Mut." Keine Frage sei es aber, dass Westerwelle die Partei als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl 2002 führen solle.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben