Fehlgeschlagene Anschläge : Anklage gegen mutmaßlichen Kofferbomber

Die Bundesanwaltschaft hat gegen einen der beiden mutmaßlichen Kofferbomber von Köln Anklage erhoben - allerdings nicht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Kofferbomber
Angeklagt: Youssef al-Haijib. -Foto: dpa

KarlsruheKnapp ein Jahr nach den gescheiterten Kofferbombenanschlägen auf zwei Regionalzüge hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen den Hauptverdächtigen erhoben. Dem 22-jährigen Libanesen Youssef Mohamad E. H. D. aus Kiel wird vorgeworfen, am 31. Juli 2006 in Köln gemeinschaftlich mit dem derzeit im Libanon angeklagten Jihad H. zwei Bombenanschläge auf Regionalzüge versucht zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Ziel sei es gewesen, "eine unbestimmte Vielzahl von Menschen zu töten". Die Anklage lautet allerdings nicht auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, sondern laut Nachrichtenagentur AFP auf versuchten Mord.

Wegen des Anschlagsversuchs muss sich Jihad H. bereits seit April vor einem Gericht in Beirut verantworten. Die beiden Libanesen
wollten der Bundesanwaltschaft zufolge mit den Bombenattentaten Vergeltung für die Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten
Mohammed üben. Weil die Bundesanwaltschaft über die beiden mutmaßlichen Täter hinaus keinen weiteren Tatverdächtigen ermitteln konnte, wurde der Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gegen Youssef Mohamad E.H. fallen gelassen. Voraussetzung für eine solche Anklage ist laut Strafgesetzbuch, dass mindestens drei Personen einer solchen Vereinigung angehören.

Unkonventionelle Bomben

Auf den Datenkopien des Computers von Jihad H. hätten Spezialisten des Bundeskriminalamts die Bauanleitung für die
unkonventionellen Bomben gefunden. Es handelte sich dabei um Gasflaschen, die mit Glühbirnen gezündet werden sollten. Ein zusätzliches Benzin-Diesel-Gemisch hätte einen Feuerball auslösen und zahlreiche Menschen in den Regionalzügen töten können.
Die Anklage wurde bereits am 11. Juni beim Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf erhoben. Das Gericht muss nun über die Zulassung der Anklage befinden.

Am Tattag hätten die beiden Komplizen gegen 12.15 Uhr die beiden Koffertrolleys zum Hauptbahnhof in Köln gebracht, in denen jeweils baugleiche Bombenvorrichtungen enthalten gewesen seien. Diese hätten in beiden Fällen mittels eines zeitgesteuerten Zündmechanismus gegen 14.30 Uhr zur Detonation gebracht werden sollen, heißt es in der Anklage. Der Libanese habe eine Regionalbahn Richtung Koblenz bestiegen, die den Hauptbahnhof um 13.03 Uhr verließ. Nachdem er den "Bombentrolley" deponiert hatte, habe er den Zug an der Haltestelle Troisdorf verlassen. Jihad H. habe einen weiteren "Bombentrolley" in einer Regionalbahn platziert, die nach Dortmund/Hamm unterwegs gewesen sei. (mit ddp, dpa, AFP)

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