Politik : Feindbild Gesundheitsminister - und trotzdem ist nicht alles schlecht (Glosse)

Bernhard Koch

Erst Blüm, dann Seehofer, nun Frau Fischer: Wer das Gesundheitswesen reformieren will, taugt in der Heilbranche immer als Feindbild zum fröhlichen Draufschlagen. "Herz-Jesu-Sozialist" oder "grüne Hornisse" sind noch harmlose Etiketten, beim Kampf gegen Systemveränderer jedweder Coleur marschieren wortradikale Ärzte gern in der ersten Reihe. Regelmäßig verkünden sie den unmittelbar bevorstehenden Ruin von Praxen und der Gesundheit ihrer Patienten. In vielen Wartezimmern liegen Unterschriftenlisten, Plakate rufen zum Widerstand gegen neueste Schweinereien von Politik und Krankenkassen auf. Derart mit Sorgen konfrontiert und geblendet vom allgemeinen Gesundheits-Jammertal, traut man sich als Kassenpatient kaum noch, eigene Wehwehchen vorzutragen. Umso größer dann die Freude, eine Kreuzberger Augenärztin ganz anderer Art zu erleben. Keine Agitationsschriften, kein Hinweis auf erschöpfte Budgets, kein Kommentar zur vermeintlich schlecht zahlenden Krankenkasse. Stattdessen eine lebensfrohe Arzthelferin und eine Frau Doktor, die zuhört, aufklärt und einfühlsam behandelt. Auch als der, was Augendiagnostik betrifft, hypersensible Patient dann kurzzeitig in Ohnmacht fällt, verliert das Praxisteam nicht die Ruhe. Der Kassenversicherte wird in einen Ruheraum verlegt und sanft gebettet, bis der Kreislauf sich berappelt hat. Die Untersuchung klappt schließlich doch noch ohne weitere Zwischenfälle, zum guten Ende dann der Befund, dass alles in Ordnung ist. Das ganze kostete keinen Pfennig Zuzahlung, obwohl dies für besondere Mühen hier gerechtfertigt wäre. Ein Erlebnis fast wie im Märchen.

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