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Fernando Lugo

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Fernando Lugo: Vom Bischof der Armen zum Staatschef Paraguays

In Paraguay beginnt eine neue Epoche: Der ehemalige Armen-Bischof Fernando Lugo ist als neuer Staatspräsident vereidigt worden. Damit endet nach mehr als 60 Jahren die Herrschaft der Colorado-Partei. Vor der neuen Regierung steht die schwierige Aufgabe, die versprochene Bekämpfung der Armut anzugehen.

Bei einem historischen Machtwechsel in Paraguay hat der Mitte-Links-Politiker Fernando Lugo am Freitag nach 61 Jahren ununterbrochener Regierungszeit der konservativen Colorado-Partei die Führung des Landes übernommen. "Heute hört Paraguay auf, ein Land der sozialen Ausgrenzung, der Geheimniskrämerei und der Korruption zu sein", versprach der neue Präsident und Regierungschef bei einer gefühlsbetonten Antrittsrede in der Hauptstadt Asunción. Tausende Anhänger bejubelten Lugo, der ein weißes Hemd, graue Hose und Sandalen bei seiner Vereidigung trug. Unter Buhrufen verließ hingegen der nun abgelöste Präsident Nicanor Duarte von der konservativen Colorado-Partei das Regierungsgebäude.

Der 57-jährige frühere Armen-Bischof hatte sich bei der Präsidentenwahl am 20. April mit mehr als 40 Prozent der Stimmen gegen die Kandidatin Blanca Ovelar von der Colorado-Partei klar durchgesetzt. Die Erwartungen an die Regierung Lugo sind groß. Neben der Bekämpfung der Armut, unter der etwa 35 Prozent der 6,8 Millionen Paraguayer leiden, hoffen die Menschen vor allem auf eine ehrliche und effiziente Verwaltung. Fast 75 Prozent erwarteten, dass die neue Regierung "gut" oder "sehr gut" sein werde. Sorgen bereitet den Lugo-Befürwortern allerdings, dass der Staatsapparat auf allen Ebenen von Colorado-Vertretern durchsetzt ist, für die es kurzfristig keinen Ersatz gibt.

Verzicht auf das Präsidenten-Gehalt

Lugo versprach, vor allem für die Armen zu arbeiten. Am Tag vor seiner Vereidigung kündigte er an, auf sein Gehalt als Präsident zugunsten der Armen verzichten zu wollen. Er brauche das Geld nicht, sagte er. Zugleich warnte er jedoch, dass sich Veränderungen nicht von heute auf morgen einstellen würden. Dazu bedürfe es harter Arbeit. Viele Beamte in Paraguay gelten als korrupt. Amtsträgern bis hinauf zum Präsidenten wurde vorgeworfen, ihre Posten nur als Möglichkeit der schnellen persönlichen Bereicherung aufzufassen.

Sein Regierungsbündnis "Alianza Patriótica para el Cambio" (APC) besteht aus Parteien und sozialen Organisationen von der politischen Mitte bis zu sozialistischen Gruppen. Weitaus stärkste Kraft in dem Bündnis ist die neoliberale "Partido Liberal Radical Auténtico", die auch die meisten Mitglieder der neuen Regierung stellt. Viel Verhandlungsgeschick wird Lugo auch im Verhältnis zum Parlament benötigen. Dort hat sein Bündnis keine Mehrheit, und die Mitglieder der Colorado-Partei dürften ihm das Regieren schwer machen. (sgo/dpa/AFP)

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