Politik : Fernsehduell: Knappes 1: 0 für Ute Vogt

Andreas Böhme

Knapper Sieg nach Punkten für Ute Vogt: Die Herausforderin des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) nutzte ein mit Spannung erwartetes Fernsehduell um zu zeigen, dass sie zur Landtagswahl im März 2001 nicht nur auf die Karte "jung und unverbraucht" setzt. Das Streitgespräch wird zwar nicht Wahl entscheidend sein, gibt der Landes-SPD aber weitere Zuversicht, es mit der seit einem Jahr amtierenden Landesvorsitzenden wieder aus dem 25-Prozent-Tal zu schaffen.

Erwin Teufel hatte zuvor leichtfertig ein Versprechen gegeben: ihn würde nichts mehr freuen als ein Fernsehduell mit Kontrahentin Ute Vogt. Kneifen galt danach nicht mehr, obwohl der Regierungschef Kameras und Scheinwerfer scheut. Alle hatten sie ihn gewarnt vor dem Live-Duell: der Generalsekretär Volker Kauder und der aus Berlin eingekaufte Wahlkampfmanager Peter Radunski. Verheerend, heißt es in eigenen Reihen, war Teufels Gastspiel bei "Christiansen", starr wirkte er auf der Mattscheibe, einstudiert und künstlich. Ganz anders Ute Vogt, die vor der Kamera locker aus ihrem Leben plaudert, schlagfertig, fröhlich, voll jugendlichem Charme. An Ratschlägen mangelte es nicht: Gerhard Mayer-Vorfelder empfahl seinem Parteifreund Teufel: "Locker bleiben". 490 000 Zuschauer sahen nach Angaben des SWR die Livediskussion, doppelt soviel wie erwartet, auch wenn die Sendung bisweilen eher einem landespolitischen Seminar denn einem Streitgespräch ähnelte.

Von Rinderwahnsinn, Studiengebühren, Verkehrs- und Wirtschaftspolitik - kein Thema wurde ausgelassen. Aber erst beim Thema Bildungspolitik wurde es spannend: Vogt beklagte wiederholt den Unterrichtsausfall an den Schulen und kündigte erneut an, die SPD wolle jährlich tausend neue Lehrerstellen schaffen. Doch der Ministerpräsident konterte und erklärte sogar, dass die CDU in den nächsten fünf Jahren 5 500 neue Pädagogen einstellen wolle. Aber beide Kontrahenten wussten, dass die Zuschauer allzu harten Streit voreilig als Parteiengezänk abqualifizieren und wegzappen. Das in der CDU gern gebrauchte Vorurteil, Vogt habe außer Frische nichts zu bieten, konnte die SPD-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses widerlegen.

Der öffentliche Schlagabtausch ist nicht zuletzt für die SPD ein Erfolg. Der Ministerpräsident, freut sich die Herausforderin, "sieht mich als Gegnerin auf gleicher Augenhöhe." Und fördert, zum Neid der Mitbewerber, Vogts Bekanntheitsgrad. FDP-Chef Walter Döring, der mit Teufel in einer schwarzgelben Regierung sitzt, ist gleichermaßen sauer auf seinen Koalitionspartner wie auf den Landessender SWR, die ihm gemeinsam den Stuhl vor die Tür gestellt hat.

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