Fernsehinterview : Bush vergleicht Vietnam- mit Irakkrieg

Dreieinhalb Jahre nach dem Einmarsch in den Irak hat US-Präsident George W. Bush erstmals eine Parallele zum Vietnam-Krieg gezogen.

Washington - Bush antwortete auf die Frage, ob er die Einschätzung eines "New York Times"-Kolumnisten teile, wonach die Gewalt der Aufständischen im Irak die "dschihadistische Entsprechung" der Tet-Offensive im Vietnam-Krieg 1968 sei: "Er könnte Recht haben." Die von vietnamesichen Widerstandskämpfern gestartete Tet-Offensive war ein Wendepunkt des Krieges in Vietnam gewesen, der in den Rückzug der US-Truppen im Jahr 1973 gemündet hatte. Das Weiße Haus bekräftigte nach Bushs Äußerung umgehend, es gebe keinen Plan, trotz der stark gestiegenen Verluste die Strategie im Irak zu überdenken.

Bush habe bei seiner Äußerung in einem Interview mit ABC News auf "die Propaganda während der Tet-Offensive" Bezug genommen, sagte seine Sprecherin Dana Perino später. "Und der Präsident hat etwas wiederholt, was er zuvor gesagt hat: Dass der Feind unseren Willen erschüttern will." Bush glaube, "dass das amerikanische Volk versteht, wie wichtig es ist, den Feind zu schlagen, der entschlossen ist, unschuldige und freiheitsliebende Menschen zu töten".

Die Aufständischen versuchten "uns genug Schaden zuzufügen, damit wir abziehen", sagte Bush in dem Interview. Das Terrornetzwerk Al Qaida sei noch immer sehr aktiv im Irak: "Sie sind gefährlich, sie sind tödlich. Sie versuchen nicht nur amerikanische Soldaten zu töten, sondern auch sektiererische Gewalt anzufachen." Bush sagte dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki seine Unterstützung zu. Seine Geduld sei aber nicht grenzenlos, vor allem wenn es um "Trödelei" gehe. Bush schloss einen vollständigen Truppenauszug aus, solange er Präsident sein werde. Dies wäre bis Januar 2009.

Allerdings könnte Bush ein vom US-Kongress ernannter Ausschuss Probleme bereiten, der politische Optionen im Irak prüfen soll. Eine Quelle aus der so genannten Iraq Study Group bestätigte Medienberichte, wonach auch ein schrittweiser Rückzug der US-Truppen und die Eröffnung diplomatischer Beziehungen mit Iran und Syrien erwogen werden könnten. Das zehnköpfige Gremium aus Vertretern beider Parteien wird seinen Bericht nach den Teilwahlen Anfang November vorlegen.

Wieder Tote bei Anschlägen

Seit Beginn des Fastenmonats Ramadan vor drei Wochen hat die Zahl der Anschläge und Opfer im Irak stark zugenommen. Hunderte Menschen wurden getötet. Am Donnerstag kamen bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeiwache in der nordirakischen Stadt Mossul mindestens zehn Menschen ums Leben. In Kirkuk starben acht Menschen und 70 weitere wurden verletzt, als sich ein Selbstmordattentäter in der Stadt 250 Kilometer nördlich von Bagdad vor einer Bank in die Luft sprengte. In Bagdad selbst wurden 31 Leichen von Opfern der Religionsunruhen in der irakischen Hauptstadt gefunden. Sie wurden laut Polizei gefoltert und erschossen. In der irakischen Hauptstadt kommt es zunehmend zu Kämpfen zwischen Milizen der sunnitischen und schiitischen Gemeinden.

Das Pentagon sucht angesichts der brisanten Lage laut US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld inzwischen nach Wegen, mehr Bodentruppen im Irak zu stationieren. Die Gewaltwelle werde wahrscheinlich "für einige Zeit" anhalten, sagte Rumsfeld auf einem Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Alabama. Das Ministerium sei aus seiner Sicht in der Lage, "zumindest das zu erfüllen, was wir vernünftigerweise als Anfragen erwarten". Das US-Militär hat allerdings die Ablösung einiger Einheiten im Irak bereits verschieben müssen, um die Stärke von 140.000 Soldaten aufrecht zu erhalten. (tso/AFP)

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