Fernsehinterview : Papst bekräftigt strikte Haltung

Benedikt XVI. ist in seinem von der ARD und dem ZDF ausgestrahlten Interview nicht von der harten Haltung der Kirche gegenüber Abtreibung und Homo-Ehe abgerückt. Auch zur Rolle der Frau in der Kirche äußerte sich der Papst zurückhaltend.

Berlin - Papst Benedikt XVI. verteidigt die strikte Haltung der katholischen Kirche zu Themen wie Homo-Ehe, Abtreibung und Empfängnisverhütung. Das Christentum und der Katholizismus seien "nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine positive Option", sagte der Papst in einem von ARD und ZDF ausgestrahlten Fernsehinterview. Es sei keine "katholische Erfindung", dass Mann und Frau füreinander geschaffen seien, damit die Menschheit weiterlebe. Die Abtreibung gehöre ins fünfte Gebot: "Du sollst nicht töten!"

Es gebe ein Ungleichgewicht zwischen den technischen Möglichkeiten des Menschen und seinem moralischen Vermögen, kritisierte der Papst. Mit Blick auf Afrika sagte er, "wenn man nur Know-How weitergibt, nur beibringt, wie man Maschinen macht und mit ihnen umgeht, und wie man Verhütungsmittel anwendet, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass am Schluss Krieg herauskommt und Aids-Epidemien."

Über mögliche höhere Positionen für Frauen in der Kirche werde "sehr nachgedacht", sagte der Papst. In der Kirche sei aber nicht "nur jemand etwas, der ein Priester ist". Man müsse gemeinsam mit den Frauen "den richtigen Platz für sie suchen". Er glaube, dass die Frauen selbst mit "Schwung und ihrer Kraft" sich ihren Platz zu verschaffen wüssten. Die katholische Kirche fühle sich jedoch nicht ermächtigt, Frauen die Priesterweihe zu erteilen.

Zu möglichen Fortschritten in der Ökumene äußerte sich der Papst eher zurückhaltend. Die evangelische Kirche sei "ein vielstimmiges Gefüge, mit dem wir in Respekt vor den vielen Stimmen und in der Suche nach der Einheit in Dialog treten und in Zusammenarbeit kommen müssen", sagte er. Man werde "vielleicht trotzdem nicht so schnell zu äußeren Einheiten kommen, aber dann werden wir zu einer inneren Einheit reifen, die, so Gott will, eines Tages dann auch äußere Formen von Einheit bringt".

Mit Blick auf seine künftigen Pläne betonte das Kirchenoberhaupt: "Ich fühle mich nicht sehr stark, um noch viele große Reisen anzuzetteln."

Der Papst hatte den Sendern ARD, ZDF, Deutsche Welle und Radio Vatikan anlässlich seines geplanten Bayern-Besuches im September ein rund 40-minütiges Interview gegeben. (tso/ddp)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar