Politik : Festkalender

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Bis Weihnachten, verspricht Henning Scherf jetzt pünktlich zum ersten Advent, werden Regierung und Länder ihren Streit im Vermittlungsausschuss beigelegt haben. Und er tut so, als müsste uns das freuen. Tut es aber nicht. Denn, lieber Herr Scherf, haben Sie mal auf den Kalender gesehen? Der zeigt morgen den Ersten, ja, den 1. Dezember. 24 Tage sind es noch bis Heilig Abend. Und zwar ganz schön kurze.

Warum das wichtig ist? Weil spätestens morgen meine Mutter hier anrufen wird und ich nehme an, dass da draußen noch ein paar zehntausend andere Mütter sind, die haargenau das gleiche vorhaben. Nein, sie werden sich ganz bestimmt nicht nach dem Fortgang der Gespräche zur Gewerbesteuer erkundigen. Und es wird sie auch nicht die Bohne interessieren, ob die Steuerreform zu 80 oder 62 Komma irgendwas Prozent mit Schulden finanziert wird.

Mütter stellen wirklich wichtige Fragen. Nämlich danach, ob auch genügend Butterkekse gebacken sind, die es immer am zweiten Advent gibt, wenn sich die Familie am Kaffeetisch trifft. Und dann wollen sie wissen, ob die Bestellung für die Weihnachtsgans raus ist. Und ob die Geschenke ausgesucht und der Baumschmuck vorbereitet ist. Ja, Herr Scherf, all das wird meine Mutter wissen wollen. Und was soll ich antworten? Dass ich die nächsten zwei Wochen vor den Türen von Arbeitsgruppen und Vermittlungsrunden herumlungern und aufpassen werde, wer sich mit wem worüber zu einigen gedenkt? Und dass der Agenda-Streit womöglich auch danach noch zu langen Nachtsitzungen führen wird? Schon jetzt weiß ich, wie meine Mutter das Ergebnis des Vermittlungsverfahrens kommentieren wird: „Na, das ist ja ein trauriges Fest.“

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