Politik : Festnahme im Restaurant

Schwedens Polizei meldet Fahndungserfolg – hat der mutmaßliche Mörder Anna Lindhs Verbindungen zu Rechtsextremisten?

André Anwar[Stockholm],Sven Lemkemeyer

Von André Anwar, Stockholm,

und Sven Lemkemeyer

Erst ein Täterprofil, dann der Haftbefehl, zudem ein landesweiter Fahndungsaufruf – am Abend kurz vor halb zehn Uhr meldeten dann die Agenturen: Der mutmaßliche Mörder von Außenministerin Anna Lindh ist gefasst. In einem Restaurant in Solna, einem Vorort von Stockholm. Die schwedische Polizei konnte einen Tag voller widersprüchlicher Nachrichten mit einem Erfolg abschließen.

Zunächst berichtete die Boulevardzeitung „Expressen“, bei einer Razzia in Stockholm sei höchstwahrscheinlich der Mann gefasst worden, der am Tatort, dem Stockholmer Kaufhaus NK, von einer Kamera gefilmt worden war. Anschließend dementierte die Polizei dies auf einer Pressekonferenz. Am Abend wurde allerdings von den Behörden bestätigt, dass ein Hauptverdächtiger namentlich identifiziert und ein Haftbefehl in Abwesenheit gegen ihn erlassen worden sei. „Es gibt hinreichende Verdachtsgründe, dass er der mutmaßliche Mörder ist“, sagte eine Sprecherin. Polizeisprecherin Stina Wessling sagte während der Pressekonferenz: „Wir haben niemanden festgenommen. Wir kommen aber voran. Die Ermittlungen sind gerade in einer sehr intensiven Phase. Wir haben sehr interessante Hinweise.“ Die Polizei bestätigte offiziell bis dahin nicht, dass der Mann auf den Bildern der Überwachungskameras im Kaufhaus der Täter ist, räumte aber ein, dass das durch Augenzeugen zusammengestellte Täterprofil dem Mann auf dem Foto ähnelt.

Die 46-jährige Sozialdemokratin Lindh war am Mittwoch der vergangenen Woche beim Einkaufsbummel in dem Kaufhaus von einem Mann niedergestochen worden. Sie starb am Donnerstag an inneren Blutungen.

Der sogenannte „NK-Mann“ mit dem Kapuzenpullover und dem Basecap auf dem Kopf hatte nach der Tat seine Kappe verloren, die Polizei fand darauf DNA-Spuren. Sie hofft nun, den Täter damit überführen zu können. Ein Fingerabdruck auf der Rolltreppe, über die der Täter flüchtete, brachte bislang keine Ergebnisse.

Die Boulevardzeitung „Aftonbladet“ berichtete unter Berufung auf Fahndungskreise, der mehrfach vorbestrafte 35-jährige Mann bewege sich in rechtsextremen Kreisen und sei sehr gut mit einigen der meist bekannten Neonazis des Landes befreundet. Nach Angaben der Zeitung verhörte die Polizei am Dienstag auch die Freundin des Mannes. Die Fahnder hatten sich unmittelbar nach der Tat sicher gezeigt, dass der etwa 30 Jahre alte Gesuchte ein vermutlich drogenabhängiger und psychisch stark gestörter Obdachloser sei, der zur Gewalt neige. Diese Festlegung hatte Stockholms Polizeichefin Carin Götblad am Montag ausdrücklich zurückgenommen.

Lindh soll im Kreise ihrer Familie beerdigt werden. Die sozialdemokratische Partei plant am Freitag in Stockholm eine Trauerfeier mit etwa 1200 Gästen aus dem In- und Ausland. Die Veranstaltung wird live im schwedischen Radio und Fernsehen übertragen. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte am Dienstag noch nicht sagen, ob deutsche Vertreter daran teilnehmen werden.

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