Festnahme : Terrorverdächtiger in der Türkei festgenommen

Die Karlsruher Bundesanwaltschaft hat die Festnahme eines 22-jährigen Verdächtigen in der Türkei bestätigt, der für einen vor zwei Monaten in Deutschland vereitelten Terroranschlag Sprengsatzzünder beschafft haben soll.

Karlsruhe/IstanbulDer 22-jährige Deutsche Attila S. sei am Dienstag in Konya gefasst worden, sagte ein Polizeisprecher in der türkischen Provinzhauptstadt. "Ein Auslieferungsantrag soll innerhalb der vorgegebenen Fristen gestellt werden", so eine Sprecherin. Attila S. aus Ulm wurde mit internationalem Haftbefehl gesucht. Wann der Mann dann ausgeliefert werde, sei aber völlig offen.

"Das hängt von vielen Faktoren ab", sagte die Sprecherin. Sollte der Verdächtige etwa Rechtsmittel einlegen, könne sich das Ganze lange hinziehen. Einen Bericht von "SWR-online", wonach der Mann in wenigen Tagen ausgeliefert werden könne, sofern gegen ihn in der Türkei nichts vorliege, bezeichnete sie als nicht korrekt.

Der Ulmer Anwalt von Attila S., Manfred Gnjidic, hat nach eigenen Angaben noch nicht mit seinem Mandanten sprechen können, seitdem er festgenommen worden ist. Attila S. sei allerdings nicht erst - wie einige Medien berichteten - im September in die Türkei gereist, sondern bereits vor neun Monaten, sagte Gnjidic. Er habe ihm gesagt, dass er dort heiraten wolle. Sein Mandant bestreite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Gnjidic rechnet damit, dass der 22-jährige gebürtige Ulmer in den kommenden 18 Tagen nach Deutschland ausgeliefert wird. Er selbst wolle sich jetzt zunächst um Akteneinsicht bemühen, sagte der Anwalt.

Deutscher Journalist vorübergehend ebenfalls festgenommen

Der Festgenommene gehört zu einem Islamisten-Kreis von Ulm und Neu-Ulm in Bayern, die seit langem von den deutschen Sicherheitsbehörden beobachtet werden. S. soll der Gruppe um die beiden zum Islam konvertierten Deutschen Fritz G. und Daniel S. sowie den Türken Adem Y. aus Hessen geholfen haben, Zünder für Sprengsätze zu beschaffen. Die drei Anfang September im Sauerland Verhafteten sollen versucht haben, Sprengstoff aus Wasserstoffperoxid herzustellen, um Bombenanschläge in Deutschland zu verüben. Nach dem Zugriff auf die Bombenbauer am 4. September soll der Terrorverdächtige S. untergetaucht sein. Er soll nach Erkenntnissen der Geheimdienste in einem Terror-Ausbildungslager in Pakistan gewesen sein.

Bei der Festnahme des Terrorverdächtigen ist einem Fernsehbericht zufolge auch ein deutscher Journalist vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen worden. Der Reporter des Nachrichtenmagzins "Spiegel" sei zur Zeit der Festnahme am Dienstagmorgen bei dem mit internationalen Haftbefehl gesuchten Atilla S. in Konya gewesen, berichtete der türkische Fernsehsender CNN-Türk. Der Journalist sei deshalb zunächst ebenfalls festgenommen worden, befinde sich inzwischen aber wieder auf freiem Fuß. (mit dpa)

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