Politik : Fieber messen vor dem Staatsbesuch

Selbst der Kanzler wird in Singapur auf Sars untersucht

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Von Moritz Kleine-Brockhoff,

Jakarta

Behörden in Singapur kennen keine Ausnahmen. Bundeskanzler Gerhard Schröder erging es also wie jedem Ankömmling auf Singapurs Changi-Flughafen: Mit einer hitzeempfindliche Kamera wurde kontrolliert, ob er Fieber hat. Das könnte ein Symptom der neuen Lungenkrankheit Sars sein. Wäre Schröders Temperatur höher als 37,5 Grad gewesen, hätten die Beamten auf einem Monitor viel Rot im Kanzlerkörper gesehen. Sie hätten ihm eine halbe Stunde zum Abkühlen gegeben. Wer dann immer noch „rot“ ist, muss ins Tan-Tock-Seng-Krankenhaus, wo nur Sars-Patienten behandelt werden. 58 Einreisenden ist das schon wiederfahren.

Der Kanzler hatte kein Fieber. Keine acht Stunden dauerte seine Stippvisite. Wegen Sars war eine geplante Übernachtung gestrichen worden, wegen Sars war die Delegation verkleinert worden. An Sars sind in Singapur 30 Menschen gestorben und mehr als 200 erkrankt. Nun scheint es, als bekomme man die Krankheit langsam unter Kontrolle. „Die Gegenmaßnahmen sind vorbildlich“, sagt David Heymann von der Weltgesundheitsorganisation. „Ich glaube, dass man das hier im Griff hat“, meinte auch Schröder.

Über Kooperation beim Kampf gegen den internationalen Terrorismus hat er mit Singapurs Ministerpräsident Goh Chok Tong gesprochen. Auch um Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftsbeziehungen ging es, insbesondere um ein langfristig geplantes Freihandelsabkommen zwischen der EU und den zehn Asean-Staaten, zu denen Singapur gehört. Dann flog der Kanzler auch schon wieder ab. Es war noch nicht dunkel, da landete er schon in Indonesien.

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