Finanzkrise : "Abkehr vom Leben auf Pump"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, kritisiert Vergötzung des Geldes. Wenn Manager ire Gehälter nicht von sich aus begrenzen, sollte der Staat sie zwingen, so Huber.

Claudia Keller

Bremen Bremen – Bischof Wolfgang Huber fand am Sonntag klare Worte. „Ein Unternehmen, das staatliche Kredite, also das Geld der Steuerzahler, in Anspruch nimmt, muss eine Obergrenze für seine Spitzenverdiener festlegen“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EDK) bei der Eröffnung der Synode, der jährlichen Tagung des obersten Kirchenparlaments, am Sonntag in Bremen. Um zu zeigen, dass sie ein Gerechtigkeitsempfinden haben, wären Unternehmen gut beraten, wenn sie ihre Managergehälter von sich aus begrenzen würden. Wenn nicht, müsse der Staat sie notfalls dazu zwingen. Huber stellte auch die Verhältnismäßigkeit des staatlichen Hilfspakets in Zweifel. Er halte „die Frage, wie sich ein milliardenschwerer Schutzschild für die Banken zur Einsatzbereitschaft unserer Gesellschaft für Hartz-IV- Empfänger verhält, nicht für illegitim“.

Statt „Leistungsreligion“ und „Vergötzung des Geldes“ forderte Huber „Einsatzbereitschaft mit Augenmaß“ und die „Abkehr von einem Leben auf Pump“. Dies bedeute Verringerung der Staatsschulden, nachhaltige Wachstumsraten und nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen. Einigen Synodalen ging das nicht weit genug. Sie riefen zusammen mit dem Heidelberger Theologieprofessor Ulrich Duchrow die EKD auf, ihre im Juli veröffentlichte Denkschrift „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“ zurückzunehmen, da die Schrift „die sozio-ökonomische Realität in Deutschland beschönigt“ und den „neoliberalen Kapitalismus legitimiert“. Huber verteidigte die Schrift. Unternehmerisches Handeln eröffne auch Chancen, schließlich würden die Unternehmer Arbeitsplätze schaffen.

Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), ein bekennender Protestant, ging in seinem Grußwort auf die Finanzkrise ein: „Ungezügelter Ehrgeiz, ungezügelter Erwerbstrieb und die Gier nach immer größerem Reichtum tragen nicht zum Gemeinwohl bei, sondern höhlen die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens aus.“ Deshalb brauche es „regelnde und ausgleichende Mechanismen“. Diese einzusetzen, sei Aufgabe der Politik. Schäuble ging auch auf die Integration der Muslime in Deutschland ein und mahnte, „dass wir Unterschiede ertragen müssen“. Ziel von Integration dürfe keine „Einheitssoße“ sein. Es reiche auch nicht, dass die hier lebenden Muslime die Möglichkeiten politischer Partizipation besäßen. Man müsse erreichen, dass sie sich mit ihrer Religion „positiv in unser Zusammenleben einbringen“. Das sei „bislang noch zu wenig geschehen“. Schäuble regte an, dass sich etwa in Berlin Christen und Muslime gemeinsam an der Initiative „pro Reli“ beteiligen könnten. Sie kämpft mit einem Volksbegehren für ein ordentliches Religionsfach an Berlins Schulen. Schäuble unterstützt die Initiative.

Der Bundesinnenminister und Gastgeber der Islamkonferenz erinnerte auch daran, dass Minderheiten in der deutschen Gesellschaft Rechte hätten. Aber auch die Mehrheit dürfe Ansprüche erheben, an die sich die Minderheiten halten müssten.

Die 117 Synodalen der evangelischen Kirche tagen noch bis Mittwoch. Im Mittelpunkt des Treffens steht das Thema „Klimawandel – Wasserwandel – Lebenswandel“.

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