Finanzkrise : Merkel frühstückt mit Chinas Regierungschef

Der Regierungschef der zweitgrößten Exportnation China besucht mitten in der Wirtschaftskrise die größte Exportnation. Wen Jiabao wird am Donnerstag mit Angela Merkel in kleinster Runde frühstücken.

Andreas Landwehr,Marc-Oliver von Riegen[dpa]

Berlin/PekingDiese Ehre wird nicht allen Gästen zuteil: Wenn Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao an diesem Donnerstag zu Gast bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist, frühstücken beide in kleinster Runde. Zu besprechen gibt es genug. Der Regierungschef der zweitgrößten Exportnation China besucht mitten in der Wirtschaftskrise die größte Exportnation. Deutschland sieht er als "Schlüsselpartner" in der Europäischen Union (EU). Mit seiner Reise, die ihn über das Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos nach Deutschland und weiter nach Brüssel, Madrid und London bringt, will er den Dialog mit den Europäern wieder aufnehmen.

Erst vor zwei Monaten hatte Wen Jiabao aus Protest gegen das Treffen des damaligen EU-Ratspräsidenten, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, mit dem Dalai Lama einen EU-China-Gipfel und einen Besuch in Paris kurzfristig abgesagt. Und das, obwohl wegen der weltweiten Finanzkrise dringender Gesprächsbedarf bestand. Der Gesprächsfaden zwischen Deutschland und China war aber nicht abgerissen. Merkel war erst im Oktober in Peking zu Gast, wo beide Länder ein engeres Vorgehen in der Finanzkrise vereinbart hatten.

Als Zeichen der besonderen Wertschätzung und Bedeutung Chinas als drittgrößte Volkswirtschaft wird sich Merkel den ganzen Tag Zeit für den Ministerpräsidenten nehmen. Mit einem Wirtschafts- und Technologieforum, an dem parallel zu politischen Gesprächen 130 chinesische Unternehmensvertreter teilnehmen, wollen beide Seiten in der wirtschaftlichen Krise ein Signal der Kooperation geben. Mehrere Vereinbarungen werden unterzeichnet, darunter voraussichtlich auch ein Memorandum, das sich um die geplante Verlängerung der Magnetschnellbahn Transrapid in Shanghai dreht.

Informationen über Chinas Konjunkturprogramm

Chinas Konjunkturprogramm, das Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur vorsieht, hat dem Transrapid neuen Anschub gegeben, wie chinesische Medien berichteten. Die neue Trasse soll beide Shanghaier Flughäfen verbinden. Die Züge der jetzigen Kurzstrecke sind nur zu einem Sechstel ausgelastet, so dass der Transrapid zwischen 2004 und 2007 bereits Verluste von umgerechnet 100 Millionen Euro eingefahren hat, berichtete die Zeitung "China Business Journal". Die Chancen steigen auch, wenn ThyssenKrupp stärker als bisher zum Transfer der Schwebetechnologie bereit sein sollte, da China gern selber Magnetschnellbahnen entwickeln möchte.

Die Bundesregierung will mehr Informationen über das umgerechnet mehr als 400 Milliarden Euro umfassende Konjunkturprogramm in China bekommen. Denn es könnte auch Chancen für deutsche Unternehmen bieten. China, dessen Wirtschaftswachstum 2008 auf 9 Prozent nach 13 Prozent 2007 eingebrochen ist, hofft zumindest einen Teil des weiteren Rückgangs zu stoppen. Beide Länder wollen stärker zusammenarbeiten und gegenseitig davon profitieren. Merkel sprach bereits in ihrem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama über die Rolle Chinas in der Weltwirtschaft. Es geht um mehr: Die Kanzlerin will erneut auch die Durchsetzung der Menschenrechte in China ansprechen. Im Reich der Mitte stehen 2009 einige Jubiläen an - so der 50. Jahrestag des Tibet-Aufstands.

Die Beziehungen zu China sind nach den Verstimmungen 2007 wieder deutlich gefestigt. Merkel und Wen Jiabao verbindet nach Einschätzung aus Berliner Regierungskreisen seit Jahren "ein sehr gutes und sehr enges Verhältnis". Soweit, dass zum gemeinsamen Frühstück auch chinesische Spezialitäten serviert werden, geht es allerdings nicht.

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