Finanzkrise : Sarkozy will EU-Nothilfe aufstocken

Zwölf Milliarden Euro seien nicht genug, meint Frankreichs Staatspräsident Sarkozy und schlägt eine Aufstockung des Nothilfe-Budgets der EU um weitere acht Milliarden Euro vor. Konkreter Anlass ist Ungarn, das von der Finanzkrise schwer getroffen wurde.

Sarkozy Brown Foto: AFP
Sarkozy bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown in der Nähe von Paris. -Foto: AFP

ParisFrankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat angesichts der Finanzkrise eine deutliche Aufstockung der Nothilfe-Möglichkeiten der EU gefordert. Die Europäische Union halte zwölf Milliarden Euro für die Unterstützung von Staaten bereit. Diese Summe solle auf mindestens 20 Milliarden Euro erhöht werden, sagte Sarkozy am Dienstagabend bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown bei Paris. Die Aufstockung werde er beim EU-Kurz-Gipfel in Brüssel vorschlagen. In der EU benötigt vor allem Ungarn wegen der Folgen der Finanzkrise Hilfe.

In Brüssel wollen die Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Länder am 7. November vor allem eine gemeinsame Marschroute für den in Washington geplanten Weltfinanzgipfel am 15. November finden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reist an diesem Donnerstag zur Vorbereitung des Gipfels zu einem Kurzbesuch nach Großbritannien.

Das Risiko eingrenzen

Als "sehr interessant" bezeichnete Sarkozy Browns Anregung, den Internationalen Währungsfonds (IWF) im Kampf gegen die Finanzkrise mit mehr Geld auszustatten. "Wir müssen Möglichkeiten finden, um dem IWF mehr Mittel zur Unterstützung von bestimmten Ländern bereitzustellen", sagte der französische Präsident. Besonders denke er dabei an die Entwicklungsländer.

Brown hatte kurz vor seiner Abreise nach Frankreich an die internationale Gemeinschaft appelliert, den IWF mit mehr Geld auszustatten. Der größte Anteil sollte dabei aus Ländern wie China und den ölreichen Golfstaaten kommen, sagte Brown in London. Eine Erhöhung des 250 Milliarden Dollar schweren IWF-Fonds könne das Risiko vermindern, dass sich die Situation von finanziell angeschlagenen Ländern wie Ungarn wie eine "Seuche" auf der ganzen Welt ausweitet.

Ein Frühwarnsystem wird diskutiert

Nach Sarkozys Angaben sollte das Treffen mit Brown vor allem der Vorbereitung des EU-Kurz-Gipfels und des Weltfinanzgipfels im November dienen. "Wir arbeiten Hand in Hand", sagte Sarkozy. Sinn der Gespräche sei es, eine gemeinsame europäische Position zu entwicklen, um einen Ausweg aus der Finanzkrise zu finden. Brown sagte, beim Weltfinanzgipfel in Washington solle unter anderem über ein Frühwarnsystem diskutiert werde, dass Krisen wie die jetztige verhindere.

Unmittelbar vor ihren Beratungen zum weiteren Vorgehen in der globalen Finanzkrise hatten sich Frankreich und Großbritannien für eine geschlossene internationale Strategie ausgesprochen. Die neue britische Europaministerin Caroline Flint betonte kurz vor dem Treffen zwischen Sarkozy und Brown, dass die derzeitige Krise nicht allein auf europäischer Ebene gelöst werden könne. Die Diskussionen in der EU könnten lediglich ein Ausgangspunkt sein, um überzeugende Argumente auf globaler Ebene zu finden, sagte Flint nach einem Treffen mit dem französischen Europa-Staatssekretär Jean-Pierre Jouyet in Paris. (ah/dpa)

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