Finanzmarktkrise : Steinbrück beruhigt Anleger

Die internationale Finanzmarktkrise wird den deutschen Aufschwung nicht gefährden, so die Meinung des Bundesfinanzministers. Steinbrück erwartet eine weitere Konsolidierung der Bankenbranche und kündigt erste Neuregelungen an.

Peer Steinbrück
Peer Steinbrück möchte den Aktionären die Sorgen nehmen. -Foto: ddp

Angesichts der Krise an den internationalen Finanzmärkten, die bereits zwei deutsche Banken in Mitleidenschaft gezogen hat, beruhigt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) nun die Anleger in Deutschland. „Niemand, der sein Geld nicht in hoch riskante Geschäfte gesteckt hat“, sagte Steinbrück dem Tagesspiegel am Sonntag, brauche sich „Sorgen um sein Geld zu machen“.

Auch die Gefahr, dass die Krise den deutschen Aufschwung stoppt, sieht Steinbrück nicht. „Es gibt bisher keine Hinweise dafür, dass sich die guten ökonomischen Daten nennenswert eintrüben“, sagte der Minister. Dennoch warnte Steinbrück: „Was wir erleben, ist sehr ernst.“ Er wolle die Lage nicht verharmlosen, hüte sich allerdings genauso vor Hysterie. Akteure an den Finanzmärkten und Beobachter forderte Steinbrück auf, sich „sehr verantwortungsbewusst zu verhalten, damit es nicht zu Verunsicherung und Kettenreaktionen kommt“. Den beiden in Mitleidenschaft gezogenen deutschen Banken IKB und SachsenLB warf der Bundesfinanzminister vor, ohne ausreichende Kenntnisse hoch spekulative Geschäfte auf dem Finanzmarkt getätigt zu haben.

Beide Banken, sagte Steinbrück „hatten das Know-how offenbar nicht“. Ausdrücklich nahm Steinbrück die Bankenaufsicht vor Kritik in Schutz. Man könne ihr keine Fehler vorwerfen, weil der überwiegende Anteil der Geschäfte der Banken außerhalb der Bilanz abgewickelt und damit der Prüfung entzogen worden sei. Diesbezüglich kündigte der Minister Änderungen an. Die Möglichkeit für Kreditinstitute, Geschäfte außerhalb ihrer Bilanz in Zweckgesellschaften auf der ganzen Welt auszulagern, sei „ein Problem“. Das könne nicht so bleiben.

Als Lehre aus der aktuellen Finanzmarktkrise kündigte Steinbrück für den Herbst einen neuen Vorstoß für mehr Transparenz an. „Insbesondere bei großen Hedgefonds“ müssten Marktteilnehmer mehr Informationen über die Risiken von Investments haben. Dass es dazu internationale Vereinbarungen der Industriestaaten und der Finanzwirtschaft geben müsse, zeige die gegenwärtige Krisenlage. Steinbrück zeigte sich „überzeugt davon, dass bei den anstehenden Gesprächen im Herbst auch die bisher noch skeptischen Regierungen erkennen werden, wie notwendig eine höhere Transparenz ist.“

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