Finanzmarktstreit : Horst Köhler rügt Verhalten der Banker

Durch "grobe Fehleinschätzungen" hätten die verantwortlichen Banker Schäden in der sozialen Marktwirtschaft angerichtet, schimpft Horst Köhler. In der aktuellen Diskussion zu den Ursachen der Finanzkrise stellt sich der Bundespräsident damit hinter die Kirchen.

Peter Kosfeld[ddp]
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Will die Ursachen der Finanzkrise aufarbeiten: Bundespräsident Horst Köhler -Foto: dpa

BerlinIm Streit zwischen Kirchen und Wirtschaft über die Ursachen und Folgen der Finanzkrise will die Politik vermittelnd eingreifen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sagte am Wochenende: "Ich werde die Bischöfe und einige führende Manager gleich Anfang Januar zu mir einladen." Er wolle mit ihnen "reden über das, was aus dem Ruder gelaufen ist und wo uns neues Denken hinbringen muss".

Die Bischöfe hatten in ihren Weihnachtsbotschaften die Auswüchse des internationalen Kapitalismus teilweise heftig kritisiert. Insbesondere der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, zog sich dabei mit persönlichen Angriffen auf den Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, den Zorn des Geldhauses zu. Das von Ackermann ausgegebene Renditeziel von 25 Prozent sei eine Form des Götzendienstes und erinnere ihn an den Tanz ums Goldene Kalb, hatte Huber erklärt. Ein Sprecher der Bank wies die Äußerungen "sowohl in der Sache wie in der Form als unangebracht" zurück.

Je stärker der Einfluss, desto größer die Verantwortung

Huber sagte, er sei zur Diskussion über seine Vorwürfe bereit. Gleichzeitig bekräftigte er seine Kritik an Ackermann. "Einzelne herauszugreifen, ist immer problematisch. Aber je stärker der Einfluss Einzelner ist, desto größer ist auch ihre Verantwortung, argumentierte der Bischof. Der Erklärung der Deutschen Bank habe er auch nicht entnehmen können, was an seiner Kritik falsch sei.

Steinmeier wertete die Auseinandersetzung als Ausdruck der "Sprachlosigkeit zwischen den Eliten der Wirtschaft und der Gesellschaft". Er fügte hinzu: "Wir brauchen die Verständigung und gemeinsames Handeln von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Eliten im nächsten Jahr noch stärker als in ruhigen Zeiten."

Bundespräsident Horst Köhler zeigte Verständnis für die harsche Kritik des Kölner Kardinals Joachim Meisner am Gebaren der Banker. Meisner hatte erklärt: "Der Banker ist Treuhänder für Geld, das ihm nicht gehört und mit dem er arbeiten muss. Dass dieses Ethos so verloren gehen kann, dass Leute mit Dingen Handel treiben, die nicht existieren - das ist erschütternd."

"Über sich und ihr Tun nachdenken"

Köhler sagte, er unterstelle Meisner keine prinzipielle Ablehnung der Marktwirtschaft. "Wahr ist aber, dass Verantwortliche in Banken in jüngster Vergangenheit mehr Schaden für die soziale Marktwirtschaft angerichtet haben, als uns lieb sein kann." Die Menschen fragten sich, wie Entscheidungsträgern "so grobe Fehleinschätzungen unterlaufen konnten". Köhler forderte, die Verantwortlichen der Finanzwelt müssten "über sich und ihr Tun nachdenken und Konsequenzen ziehen".

Nach Ansicht des Tübinger Theologen Hans Küng muss eine neue Finanzarchitektur auf eine "ethische Rahmenordnung" gestützt werden. "Nur mit einigen elementaren ethischen Normen kann man die fatale menschliche Gier zähmen", sagte Küng. Ein Versagen der Märkte, Institutionen und der Moral rufe nach ethischen Regeln für das grundsätzlich berechtigte Gewinnstreben. "Ethik ist nicht nur das Sahnehäubchen auf dem Kuchen", betonte der Präsident der Stiftung Weltethos.

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