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Finanzpolitik : Großspekulant Soros: Deutschland gefährdet den Euro

Der amerikanische Großspekulant George Soros warnt vor einem Auseinanderbrechen der Währungsunion als Folge der deutschen Sparpolitik.

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George Soros.
George Soros.Foto: dpa

BerlinBörsenlegende George Soros hat die Haltung der deutschen Bundesregierung in der Euro-Krise scharf kritisiert. „Die deutsche Politik ist eine Gefahr für Europa, sie könnte das europäische Projekt zerstören“, sagte der Hedgefonds- Manager der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“. Indem die Bundesregierung darauf bestehe, überall Staatsschulden abzubauen, zwingt Deutschland dem Rest des Kontinents nach Ansicht Soros’ eine falsche Wirtschaftspolitik auf. Es sei zur Überwindung der Krise besser, mehr Geld auszugeben und so Wachstum zu schaffen. Mit seiner rigorosen Sparlinie sei Deutschland weltweit isoliert, sagte der aus Ungarn stammenden Soros. „Wenn die Deutschen ihre Politik nicht ändern, wäre ihr Austritt aus der Währungsunion hilfreich.“

Leider sei ein „Kollaps des Euros und des europäischen Projekts“ nicht auszuschließen, fügte Soros hinzu. Der Milliardär kennt sich aus mit Währungskrisen. 1992 hatte der heute 79-Jährige mit Wetten gegen das britische Pfund riesige Gewinne erzielt und eine Krise des Europäischen Währungssystems provoziert.

Der Vertrag von Maastricht sei „von Anfang an fehlerhaft“ gewesen, sagte Soros. Es gäbe zu viele Regeln gegen die Inflation, aber zu wenig Vorsorge für eine Deflation. Für entscheidend hält der Investor auch „mehr wirtschaftspolitische Zusammenarbeit“. Aufgrund seiner Geschichte fürchte sich Deutschland jedoch mehr vor der Inflation als vor der Rezession. „Im Moment treiben die Deutschen die Nachbarn in eine Deflation: Die Schuldenstaaten müssen Löhne und Preise reduzieren. Es droht eine lange Phase der Stagnation. Und die führt zu Nationalismus, zu sozialen Unruhen, zu Fremdenfeindlichkeit. Sie gefährdet also die Demokratie.“ Nach Ansicht des Spekulanten „drohen in Europa wieder jene Konflikte zwischen Staaten, die europäische Geschichte geprägt haben“.

Der Bundesregierung wirft Soros vor, die Chancen der derzeitigen Krise nicht zu nutzen. Die Deutschen wollten viele Güter exportieren und eine harte Währung, aber „warum lassen sie die Löhne nicht stärker steigen? Das würde anderen EU-Staaten helfen aufzuholen.“ Der sinkende Euro-Kurs gebe dafür den Spielraum, ohne dass Deutschland seinen Exportchancen schade.

Soros riet den EU-Staaten zudem, sich nicht nur auf eine Senkung der Staatsschulden zu konzentrieren, sondern die Banken mit Mitteln aus dem europäischen Rettungsfonds mit mehr Kapital zu unterstützen. Denn die Banken könnten wegen ihrer ramponierten Bilanzen keine Staatsanleihen mehr kaufen, weshalb die Staaten in Finanzierungsnöte kämen, argumentierte Soros.

Er glaube nicht, dass die Spekulanten an der Euro-Krise schuld seien, sagte Soros weiter. „Der Euro war vor der Krise überbewertet, auch wenn es unmöglich ist, den korrekten Wert zu bestimmen.“ Im Übrigen helfe die Abwertung der Währung doch der Wirtschaft. „Die Spekulanten tun den Europäern letztlich etwas Gutes.“ Trotzdem sollten die Zentralbanken und die Aufsichten künftig Blasen an den Finanzmärkten bekämpfen. Bisher hätten sie dies unterlassen, weil sie „fälschlicherweise an die Effizienz der Märkte glaubten“, sagte Soros.

Auch eine Transaktionssteuer halte er für sinnvoll: „Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, wenn es weniger Liquidität auf den Märkten gäbe. Und warum sollte sich der Staat nicht durch solch eine Steuer neue Geldquellen erschließen?“

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