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Fipronil in Eiern : Künast wirft Agrarminister Schmidt Untätigkeit vor

Ihr Amtsnachfolger habe sich zu lange nicht um die mit Fipronil belasteten Eier gekümmert, sagt die Grünen-Politikerin. Der widerspricht.

Grünen-Politikerin Renate Künast.
Grünen-Politikerin Renate Künast.Foto: Karlheinz Schindler/dpa-Zentralbild/dpa

Ex-Agrarministerin Renate Künast wirft ihrem Nachfolger Christian Schmidt (CSU) Untätigkeit im Skandal um giftbelastete Eier vor. Nach Bekanntwerden der Verunreinigungen mit dem Insektizid Fipronil habe sich der Minister erst einmal nicht gekümmert, sagte die Grünen Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. „Obwohl sich das Land entgeistert gefragt hat: Was machen eigentlich Läusebekämpfungsmittel in meinem Ei?“

Künast pocht auf eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern bei Lebensmittel-Tests. „Dann kann nämlich jedes Bundesland seine Testkapazitäten auf andere Produktgruppen konzentrieren. So kommt man schneller zu einem Ergebnis“, sagte sie. „Wenn es schnell gehen soll und umfassend sein soll, dann muss der Bundesminister dafür Sorge tragen, dass es ein abgestimmtes Vorgehen gibt.“ Man müsse zudem überlegen, wie man verarbeitete Lebensmittel, die zum Beispiel Ei enthielten, besser kontrollieren könne.

Der Forderung nach einem Verbot von Fipronil wollte die Vorsitzende des Verbraucherschutz-Ausschusses im Bundestag sich nicht anschließen - dazu brauche es eine gute Analyse. „Wenn man, wie hier, nicht sicherstellen kann, dass es nicht am Ende durch ein Verpanschen in Tieren und tierischen Erzeugnissen landet, dann würde man um ein Verbot nicht herumkommen.“

Landwirtschaftsminister Schmidt wies Kritik an seinem Krisenmanagement zurück. "Die Lebensmittelüberwachung ist Aufgabe der Bundesländer", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Trotzdem habe sich sein Ministerium "unverzüglich eingeschaltet" und befinde sich "im engen Austausch" mit den Behörden der Länder. Der Handel habe genauso wie die Hersteller dafür Sorge zu tragen, dass die verkauften Produkte "verkehrsfähig und gesundheitlich unbedenklich sind."

Zum Vorwurf, dass es nicht genügend Lebensmittelkontrolleure gebe, sagte Schmidt: "Es waren doch gerade die amtlichen Kontrollen, die den Vorgang aufgedeckt haben". Zur Wahrheit gehöre jedoch auch, "dass Lebensmittelbetrug und kriminelle Energie nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden können". Gerade deshalb sei eine konsequente und lückenlose Aufklärung nötig.

Das Insektizid Fipronil war in den vergangenen Tagen in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen worden. Mindestens zehn Millionen kontaminierte Eier aus den Niederlanden wurden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums nach Deutschland geliefert, ein Teil davon gelangte demnach in den Handel. Der Discounter Aldi nahm deutschlandweit seine Eier aus dem Verkauf, betroffen sind zudem Salatprodukte, in denen Eier verarbeitet wurden.

Bauernverband verlangt Schadenersatz

Unterdessen forderte der Deutsche Bauernverband Schadenersatz für die betroffenen Hühnerbetriebe. "Die betroffenen Landwirte dürfen nicht auf ihren Schäden sitzen bleiben und müssen entschädigt werden", sagte der stellvertretende Generalsekretär des Bauernverbands, Udo Hemmerling, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Beim Einsatz von Fipronil handele es sich um ein "klares Fehlverhalten eines Dienstleisters, der dieses Insektizid illegal einem legalen Desinfektionsmittel untergemischt hat". (Tsp, dpa, AFP)

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