Fipronil-Skandal : Zweite verbotene Chemikalie auf niederländischen Höfen

Auf fünf Höfen in den Niederlanden wurden nach Angaben der Gesundheitsministerin Edith Schippers Spuren der chemischen Substanz Amitraz gefunden. Ein Bericht von EURACTIVs Partner EFEAgro.

Der niederländische Landwirtschaftsverband geht davon aus, dass der Gesamtschaden durch den Fipronil-Skandal bei mindestens 150 Millionen Euro liegen wird.
Der niederländische Landwirtschaftsverband geht davon aus, dass der Gesamtschaden durch den Fipronil-Skandal bei mindestens 150...Foto: dpa

Der Skandal um belastete Eier hat sich weiter ausgeweitet. Die niederländische Gesundheitsministerin Edith Schippers teilte mit, dass eine zweite verbotene Substanz auf Hühnerfarmen gefunden worden sei. In einem Brief an das niederländische Parlament schreibt Schippers, die Behörden würden derzeit fünf Betriebe untersuchen, die dieses und vergangenes Jahr Kontakt mit der niederländischen Reinigungsfirma „Chickfriend“ hatten.

„Chickfriend“ ist die Schädlingsbekämpfungsfirma, die offenbar für den Fipronil-Skandal mitverantwortlich ist. Von dem Skandal sind Eier und Eierprodukte in 18 europäischen Staaten und darüber hinaus betroffen. Die chemische Substanz Fipronil wird normalerweise zur Läusebekämpfung an Tieren verwendet, hat aber nichts in Eiern zu suchen.

Niederländische Prüfer haben nun auf den fünf betroffenen Höfen Anzeichen für den Gebrauch von Amitraz gefunden, erklärte Schippers. Dies sei eine „mäßig toxische“ Substanz, warnte sie. Amitraz kann zu Schäden am zentralen Nervensystem führen. Es zersetzt sich nach der Aufnahme schnell im Körper. Das Mittel darf in der Rinder- und Schweinezucht gegen Insektenbefall eingesetzt werden – aber nicht in der Geflügelindustrie.

Die Ministerin sagte weiter, das Gesundheitsrisiko durch das verbotene Mittel sei „noch nicht klar“. Bisher sei kein Amitraz in Eiern der betroffenen Unternehmen nachgewiesen worden.

33 Millionen Euro Schaden – allein in den Niederlanden

Der Fipronil-Skandal hat zur Notschlachtung tausender Hühner und der Vernichtung von Millionen Eiern und Ei-basierten Produkten in ganz Europa geführt. In ihrem Brief schreibt Schippers, die direkten Kosten für den niederländischen Geflügelmarkt würden auf 33 Millionen Euro geschätzt. Davon seien 16 Millionen das direkte Resultat des Verkaufsstopps und der Vernichtung der Produkte. Die übrigen 17 Millionen Euro müssten aufgewendet werden, „um Hühnerfarmen von Fipronil-Rückständen zu befreien“.

Diese Schätzung der Ministerin beinhaltet jedoch nicht die Folgekosten für andere Produktionszweige in der Landwirtschaft. Der niederländische Landwirtschaftsverband geht davon aus, dass der Gesamtschaden bei mindestens 150 Millionen Euro liegen wird.

Die niederländische Landwirte- und Gärtnervereinigung wandte sich am Mittwoch an das Finanzministerium. Die heimischen Landwirte benötigten Unterstützung, da vielen von ihnen ansonsten der finanzielle Ruin drohe.

Belgien hatte die Niederlande beschuldigt, bereits im vergangenen November von belasteten Eiern gewusst, die Informationen aber zurückgehalten zu haben. Tatsächlich gab die niederländische Regierung zu, Informationen über den Gebrauch von Fipronil in der Geflügelbranche erhalten zu haben. Es sei aber nicht bekannt gewesen, dass Eier betroffen sind.

Gleichzeitig hatten die belgischen Behörden mitgeteilt, selbst seit Anfang Juli von Fipronil-Belastung in Eiern gewusst zu haben. Dies sei aber aufgrund einer tiefergehenden Untersuchung zunächst geheimgehalten worden. Am 20. Juli war Belgien dann das erste Land, das offiziell das Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel der EU-Kommission (RASFF) über die Vorfälle unterrichtete. Kurz darauf folgten die Niederlande und Deutschland.

Erschienen bei EurActiv.

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