First Lady Elke Büdenbender : Reden und zuhören, lächeln und winken

Als neue First Lady verzichtet Elke Büdenbender auf Beruf und Gehalt. Das sei unzeitgemäß und diskriminierend, heißt es. Doch das ist es ganz und gar nicht. Ein Kommentar.

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Lächeln, immer lächeln. Das kann ganz schön anstrengend sein.
Lächeln, immer lächeln. Das kann ganz schön anstrengend sein.Foto: Odd Andersen, AFP

Elke Büdenbender war einst Richterin am Berliner Verwaltungsgericht. Dann wurde ihr Mann, Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident. Und so wurde aus der Richterin die First Lady. Ihren Beruf lässt sie nun ruhen. Ihre Vorgängerin im undefinierten Amt, Daniela Schadt, tat dies ebenfalls.

Den Verzicht einer First Lady auf die weitere Berufsausübung schreibt kein Gesetz vor, er ist lediglich Tradition. Frau Büdenbender wird künftig viel lächeln und zuhören müssen, reisen und repräsentieren, Wohltätigkeitsveranstaltungen besuchen und an so genannten Damenprogrammen teilnehmen. Sie wechselt von einem selbstbestimmten harten Berufsleben in ein meist fremdbestimmtes hartes Ehrenamt.

Das stößt auf Kritik. Die Rolle der First Lady sei unzeitgemäß, diskriminierend, betulich, stamme aus der Generation Heinz Erhardt, heißt es. Als Leitende Angestellte der Bundesrepublik möge sie zumindest angemessen für ihre Arbeit bezahlt werden. Beklagt wird der Druck, der allgemein auf Ehefrauen lastet, ihren eigenen Job zum Wohle der neuen Tätigkeit ihres Mannes aufzugeben. Das konterkariere den Kampf für die Gleichstellung von Frauen.

Zwei Dinge kommen hier zusammen und verstärken sich in ihrer negativen Deutung. Da ist, erstens, der Verzicht von Frau Büdenbender auf das Ausüben des eigenen Berufes zu Gunsten der Karriere ihres Mannes. Da ist, zweitens, ihre neue Funktion als First Lady, für die sie keinen Cent Honorar erhält. Diese Kombination gilt nicht zufällig als Symbol einer vor- oder gar antiemanzipatorischen Ideologie. Das Ideal der selbstlosen Frau, die Kinder gebärt und aufzieht, den Haushalt schmeißt, die Familie zusammenhält, Angehörige betreut – und das alles aus Liebe und für umsonst –, wurde in patriarchalischen Gesellschaften oft und gern zur Ausbeutung von Frauen missbraucht.

Das Verzichten gehört zu jeder Beziehung dazu

Allerdings darf die Kritik an der Entscheidung von Elke Büdenbender nicht übers Ziel hinausschießen. Zunächst sollte diese Entscheidung schlicht als eine respektiert werden, die freiwillig und nach Abwägung aller Argumente getroffen wurde. Wer das bezweifelt, degradiert Frau Büdenbender zu einer Marionette.

Sodann gehört das Verzichten als solches zu jeder Beziehung dazu. Ob in einer Freundschaft, Partnerschaft oder Ehe: Wenn sich zwei Menschen aneinander binden, entstehen Situationen, in denen einer von beiden für das Wohl des anderen zurückstecken muss. Das Leben ist zu unberechenbar, um in all seinen Lagen – Kinder, Beruf, Familie, Krankheit, Angehörige – stets Gerechtigkeit im Maß der jeweils eigenen Wunscherfüllung garantieren zu können.

Zwei Menschen legen sich auf eine gemeinsame Zukunft fest, deren Grundlagen sie nicht kennen können. Sie übernehmen bedingungslos Verantwortung füreinander. Das verlangt Kompromisse, und es verlangt Verzicht. Anders geht es nicht.

Bleibt zuletzt das Ehrenamt, die unentgeltlich ausgeübte Tätigkeit als First Lady. Zwischen 20 und 30 Millionen Deutsche, je nach Definition und Zählweise, engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Sie versorgen alte und kranke Menschen, arbeiten in kirchlichen Organisationen, Vereinen und Verbänden, in der Telefonseelsorge, als Hospizhelfer, Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Trainer, Betreuer, Lesepate, Schülerlotse, in der Flüchtlingshilfe. Sie alle wollen ihren individuellen Beitrag leisten für das soziale Leben in der Gemeinschaft.

Die Gründe reichen vom Spaß bis zur Sinnerfüllung

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie reichen vom Spaß daran über Altruismus bis zur Sinnerfüllung. Würden all diese Menschen für ihre Arbeit angemessen entlohnt, ginge die öffentliche Hand schnell pleite. Ohne Ehrenamtliche wiederum würden viele gesellschaftliche Bereiche nicht lange existieren. Der Natur-, Tier- und Umweltschutz läge brach, ebenso die Caritas, Diakonie und Hausaufgabenhilfe, auch die Freiwilligen Feuerwehren und der Katastrophenschutz verlassen sich zum großen Teil auf Ehrenamtliche.

Das Wort „Idiot“ stammt vom Griechischen „idiotes“. Damit wurden in der Antike all jene bezeichnet, die sich der Pflege des Gemeinwesens verweigerten. „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger“, sagte Perikles, einer der führenden Staatsmänner Athens.

Sich in diese Wertetradition einzureihen, ist für eine First Lady auch im 21. Jahrhundert eher ehrenhaft als schändlich. Auf eine Bezahlung ist sie nicht angewiesen. Und nicht auf ewig am Richterjob zu hängen, zeugt immerhin auch von Flexibilität.

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