Politik : Fischer: „Einer der letzten Rock’n’Roller“

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Berlin Außenminister Joschka Fischer hat dem Nachwuchs der Grünen fehlende Durchsetzungskraft vorgeworfen. In einem am Freitag erschienen Interview mit der „tageszeitung“ (taz) sagte Fischer, er hätte sich von den jungen, die nun die Personalentscheidungen bei den Grünen zu treffen hätten, schon früher mehr Durchsetzungskraft gewünscht: „Die jungen Grünen hätten mich stürzen sollen.“ Das wäre für die schnellere Erneuerung der Grünen der Preis gewesen, den er hätte bezahlen müssen. Sich selbst bezeichnete Fischer als einen „der letzten Live-Rock-’n’-Roller der deutschen Politik. Jetzt kommt in allen Parteien die Playback-Generation.“ In die anstehenden Personalentscheidungen werde er sich nicht einmischen.

Seinen Verzicht auf Partei- und Fraktionsämter bezeichnete er als Teil des Generationenwechsels: „Das rot-grüne Kapitel, das meine Generation geschrieben hat, ist unwiderruflich zu Ende. Das neue Kapitel müssen die Jüngeren schreiben, vor allem die unter 40- Jährigen.“ Die Grünen müssen nach Fischers Ansicht „in einem Sechs-Parteien-Parlament ihre Optionen nach beiden Seiten hin öffnen“, also „auch hin zu den bürgerlichen Parteien, aber das sehr vorsichtig“. Fischer zeigte sich überzeugt, dass den Grünen ihre programmatische Neuorientierung gelingen werde, dass es den Jüngeren gelingen werde, sich durchzusetzen. Auf die Frage, wann die Grünen als „moderne linke Partei“ wieder an die Macht kommen, sagte Fischer: „Schneller, als Sie glauben.“

Er zeigte sich begeistert vom „Eigensinn der Wähler“. Diese seien im Wahlkampf „politisch unglaublich interessiert“ gewesen. „Die wollten es wissen. Und sie haben gesagt: Mit uns nicht!“ Fischer weiter: „Das Wahlergebnis finde ich großartig. Ich sage es hier öffentlich: Ich liebe mein Land.“ Offen ließ Fischer, ob er sein Bundestagsmandat vier Jahre lang ausüben werde. lem

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