Politik : Fischer fordert Aufnahme weiterer Flüchtlinge

SKOPJE .Bundesaußenminister Joschka Fischer hat am Sonntag bei einem Kurzbesuch in Mazedonien das Regime in Belgrad zum Einlenken aufgefordert.

In Skopje sprach Fischer mit dem mazedonischen Ministerpräsidenten Ljupco Georgijevski, der die von Deutschland geleistete humanitäre Hilfe als "beispielhaft" würdigte.Fischer erklärte vor der Presse, daß Mazedonien auch in Zukunft bereit sei, Vertriebene aus dem Kosovo aufzunehmen.Gleichzeitig anerkenne er "die Notwendigkeit, daß auch andere Länder vermehrte Aufnahmebereitschaft zeigen".

Wegen der seit Tagen andauernden Schließung der Grenze zwischen Mazedonien und dem Kosovo war am Wochenende die Sorge um das Schicksal der kosovo-albanischen Flüchtlinge weiter gewachsen.Die EU-Kommissarin für humanitäre Angelegenheiten, Emma Bonino, vermutete am Sonntag die Serben hinter der seit Mittwoch dauernden Maßnahme.Mazedonien versicherte, von seiner Seite sei der Übergang wieder geöffnet.Bonino sagte am mazedonischen Grenzposten Blace: "Wir sind sehr besorgt darüber, was sich auf der anderen Seite abspielt." Ihrer Einschätzung nach befinden sich noch zwischen 600 000 und 700 000 Vertriebene im Kosovo.

In Albanien kamen am Wochenende fast 10 000 weitere Flüchtlinge an.Sie berichteten von Greueltaten der Serben in der Region Pec und Kämpfen zwischen UCK-Kämpfern und Serben in Djakovica."Aus der Gegend von Pec werden Hunderte von Männern vermißt, die nach Angaben der Flüchtlinge von den serbischen Angreifern abgeführt wurden", sagte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) am Sonntag in Genf.



Das UN-Flüchtlingshilfswerk beklagte unterdessen, es stehe vor immensen Finanzschwierigkeiten, weil wichtige Geberländer nicht zahlen.UN-Sondergesandter Dennis McNamara sagte am Sonntag in Tirana, von den zugesagten 258,83 Millionen Mark der Geberländer für drei Monate seien nur 141 Millionen Mark zusammengekommen.Dieses Geld sei bereits ausgegeben oder zugewiesen worden.Das UNHCR versorgt rund 900 000 Flüchtlinge aus dem Kosovo.

In der südserbischen Albaner-Provinz Kosovo werden nach Angaben des britischen Streitkräfteministers Doug Henderson 100 000 Männer im wehrfähigen Alter vermißt.Überdies seien dort nach den ihm vorliegenden Berichten 4 500 Menschen hingerichtet worden, sagte Henderson am Sonntag.Insgesamt seien 1,5 Millionen Kosovaren vertrieben und über 500 Dörfer schwer beschädigt oder zerstört worden.

Nach Ansicht des Mazedonien-Beauftragten der Caritas, Ludwig Grunwald, droht Mazedonien durch die Flüchtlingsbelastung ein Bürgerkrieg.Er forderte, es müßten dringend einige zehntausend Kosovo-Flüchtlinge in andere Länder ausgeflogen werden.Die Spannungen zwischen Mazedoniern und Kosovo-Albanern seien teilweise unerträglich stark.Übergriffe häuften sich.Zugleich rief Grunwald die westlichen Staaten auf, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.Gegen das Ausfliegen von Kosovo-Flüchtlingen in großer Zahl wandte sich der Gründer der Hilfsorganisation Cap Anamur, Rupert Neudeck."Wenn sich jetzt die Bundesregierung bereit zeigt, weitere Kosovo-Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen, wird eine Erwartung geweckt, es könnten am Ende Hunderttausende nach Mitteleuropa kommen", warnte er in der "Welt am Sonntag".

Aus dem Lager Kukes rund 20 Kilometer von Morina sollen laut UNHCR zunehmend Flüchtlinge in andere Lager gebracht werden.In dem Ort mit 30 000 Einwohnern leben derzeit rund 100 000 Flüchtlinge in Lagern oder bei Einheimischen.

Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Marieluise Beck, hat unterdessen die Innenminister aufgefordert, für die Kosovo-Flüchtlinge einen Abschiebestopp zu erlassen.Damit würde eine klare rechtliche Grundlage geschaffen, erklärte die Grünen-Politikerin am Sonntag in Bonn.Die "lediglich faktische Aussetzung der Abschiebung, die sich auf das Flugembargo gründet", sei angesichts der Verfolgung und Vertreibung im Kosovo zynisch.

Beck forderte weiter, daß über Asylanträge der Kosovo-Albaner "endlich zügig entschieden werden" müsse.Dabei werde das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge zu berücksichtigen haben, daß zahlreiche Gerichte Kosovo-Albaner auf der Grundlage einer Gruppenverfolgung als politische Flüchtlinge schon anerkannt hätten.

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