Politik : Fischer in Syrien und Libanon: Völkerverständigung

Andrea Nüsse

Ende August hat die Zeit nicht mehr gereicht, Syrien und Libanon zu besuchen: Die Abstimmung im Bundestag über den Mazedonien-Einsatz rief Außenminister Joschka Fischer von seiner Nahost-Reise früher zurück. Jetzt, am Dienstag, hatte die Reise des deutschen Außenministers nach Damaskus und Beirut einen neuen Akzent: Es ging nicht im engeren Sinne um die Lösung des Nahostkonflikts, sondern um Völkerverständigung und Dialog der Kulturen. Fischer wollte vor allem die Sorge ausräumen, dass der Westen einen "Kreuzzug" gegen den Islam oder die arabische Welt plane.

Um dies zu untermauern besuchte Fischer die berühmte Ummayyaden-Moschee in der Altstadt von Damaskus, die sich als Beispiel für das friedliche Nebeneinander verschiedener Religionen anbietet: Von den Moslems als viert-wichtigstes Heiligtum nach Mekka, Medina und der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem verehrt, pilgern auch Christen aus aller Welt in die Moschee, die angeblich das Haupt von Johannes dem Täufer beherbergt. Solche Zeichen sind umso notwendiger, als der italienische Ministerpräsident Berlusconi mit seiner Äußerung, die westliche Zivilisation sei der islamischen überlegen, Empörung in der gesamten arabischen Welt auslöste. Diese Äußerungen sind ein weiteres Hindernis für islamische Länder, der von den USA geplanten Anti-Terror-Koalition beizutreten.

Gleichzeitig wollte Fischer den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad jedoch auch davor warnen, sich auf die falsche Seite zu stellen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes bestätigte der Besuch, dass Syrien sich grundsätzlich an der Koalition beteiligen will. Die strittigen Punkte, dass Syrien gegen Militärschläge in Afghanistan ist und vielmehr fordert, den "Staatsterrorismus" Israels auch ins Visier zu nehmen, haben scheinbar zu keinem Zerwürfnis geführt.

Wenige Tage vor Fischers Besuch hatte die Troika der EU-Repräsentanten Solana, Patten und Michel dagegen lautstarke Auseinandersetzungen mit dem syrischen Außenminister As-Sharaa, berichtete die französische Tageszeitung "Le Monde". As-Sharaa soll mit ironischem Unterton erklärt haben, der Tod von fünf Palästinensern in Rafah während und nach dem Treffen Peres-Arafat in Gaza sei wohl ein Ergebnis europäischer Diplomatie. Die EU und vor allem der deutsche Außenminister hatten sich für ein Gespräch zwischen Arafat und Peres stark gemacht, um die Gewaltspirale zu stoppen. Am Mittwochabend sagte Israel die weiteren Gespräche mit den Palästinensern ab. Verteidigungsminister Ben-Eliezer teilte mit, Israel werde erst zu Verhandlungen zurückkehren, "wenn die Palästinensische Behörde die Kontrolle übernommen hat und den Terrorismus stoppt". Libanons Premier Hariri gab Fischer mit auf den Weg, dass man zwischen Terroristen und dem Widerstand gegen Besatzung unterscheiden müsse.

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