Politik : Fischer kann, was Kinkel wollte (Kommentar)

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Die Beziehungen zwischen dem Iran und Deutschland sind traditionell gut - aus einem unguten Grund. Der Schah und seine Nationalisten verstanden die Perser als Arier. Dagegen protestierten einst die Studenten in Berlin. Dann, nach der islamischen Revolution, folgte die Phase der Entfremdung, und Joschka Fischer geißelte jedes Signal der Entspannung, das der damalige Außenminister Kinkel aussandte. Nun kann eine dritte Phase in den deutsch-iranischen Beziehungen beginnen: Iran hatte die Wahl - und die Mehrheit will den Fortschritt. So lange schien das Regime der Mullahs undurchdringlich zu sein. Jetzt nicht mehr. Überall wächst Hoffnung auf Liberalisierung, in der Theologie, in der Politik - und im Ausland. Wieviel Radikalität braucht der Islam wirklich? Selbst die USA, lange der Erzfeind, bieten jetzt an, den Ausgleich zu suchen. Und Deutschland, lange der Erzfreund, kann wieder vermittelnd tätig werden. Joschka Fischers Besuch in Teheran sollte in diesem Sinne der Türöffner zur EU sein, und Präsident Mohammad Chatamis Besuch in Berlin der Beginn des Dialogs mit den Reformern, der Auftakt zum "Dialog der Kulturen" über Politik und Wirtschaftsbeziehungen hinaus. Das dient auch am besten den Menschenrechten. Die Zeit ist reif für eine Politik, wie Klaus Kinkel sie machen wollte. Erst jetzt.

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