Politik : Fischer lehrt Farben

Matthias Meisner

Berlin - Joschka Fischers Rückzug aus dem Bundestag liegt erst ein paar Tage zurück. Vielleicht ist Grünen-Chef Reinhard Bütikofer auch deshalb ein wenig überrascht, dass sich der ehemalige Außenminister wieder in die innenpolitische Debatte einschaltet. Seiner Partei rät Fischer, sich gezielt auf mögliche Ampel-Koalitionen vorzubereiten. Realistisch, so Fischer, würden für seine Partei „nur zwei Konstellationen“ bleiben, „die schwarze und die rote Ampel“, Verbindungen also der SPD oder der Union jeweils mit FDP und Grünen zugleich.

Dass Bütikofer die Analyse des früheren heimlichen Vorsitzenden Fischer als weder neu noch überraschend ansieht, ist das eine. Zudem habe Fischer, so der amtierende Grünen-Vorsitzende zum Tagesspiegel am Sonntag, „nicht unbedingt den besten Zeitpunkt“ gewählt, um künftige Farbspiele zu diskutieren. „Solche Diskussionen verdecken die notwendige Auseinandersetzung mit dem Mist, den die Regierung baut.“ Deshalb will Bütikofer die Wortmeldung auch nicht als Beitrag zur grünen Strategiedebatte sehen. Nachdem sich Fischer „erklärtermaßen aus der Politik zurückgezogen habe“, handele es sich eher „um den wissenschaftlichen Ratschlag eines angehenden akademischen Lehrers“.

Reserviert bleibt auch die FDP: Eine Jamaika-Koalition – ein Bündnis aus Union, Grünen und FDP – wäre „besser gewesen als das schwarz-rote Gemurkse“, stellt Generalsekretär Dirk Niebel fest. Er hält es auch nachträglich für richtig, dass die FDP 2005 „für eine Verlängerung des rot-grünen Elends“ nicht zur Verfügung stand. Fischer selbst gilt als persönlicher Gegner von Bündnissen mit Union und FDP. In einer Ampel hätte er, sagt er selbst, „nochmal richtig anfangen müssen zu rackern, um eine neue Machtperspektive zu erarbeiten“.

Und Rot-Rot-Grün? Nein, sagt Fischer. Und begründet: Verhindert werde eine koalitionsfähige Linke von Oskar Lafontaine, dem früheren SPD-Vorsitzenden und jetzigen Fraktionschef der Linken. „Was ich sehr bedaure.“ Eine „goldene Schleimspur“, pariert PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Er versichert: „Ich werde alles dafür tun, dass dieser Spaltpilz nicht in die Linke getragen wird.“

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