Politik : Fischer und seine Frauen

Stephan-Andreas Casdorff

Die anderen mögen streiten, die Grünen wollen einander mögen. Intern und, vor allem, öffentlich. So ungefähr lautet die Devise gerade, und sie soll in den nächsten Wochen erst noch richtig deutlich werden. Jedenfalls, wenn es nach der Parteiführung geht.

Dies nicht zuletzt, weil die Auseinandersetzungen in der Union darüber, wer sie in den diesjährigen Wahlkampf führen darf, ein Mann oder eine Frau, immer härter geworden sind. Das mögen die Wähler bekanntermaßen nicht. Wahrscheinlich wird es dann auch noch der Mann, zumindest nach den bisherigen Erkundigungen und Verlautbarungen, und da wittern die Grünen eine Chance: bei den Wertkonservativen im allgemeinen, bei den wertkonservativen Frauen im besonderen sind einige Stimmen zu holen.

Bei den Sozialdemokraten ist schon alles klar, da ist der Kanzler auch der Kanzlerkandidat, bei der FDP wird der Parteichef, Guido Westerwelle, auch der Spitzenkandidat sein, weil es einen Kanzlerkandidaten ja wohl erst oberhalb von 18 Prozent geben soll. So weit, so klar, nichts zu holen? Weit gefehlt, auch hier sehen die führenden Grünen eine Chance, wenn sie sich in aller Geschlossenheit präsentieren.

Wie das gehen kann? Joschka Fischer, der Mann, der bei Bundestagswahlkämpfen immer zu großer Form aufläuft und bei der letzten Wahl, im September 1998, fast allein die Grünen über fünf Prozent und in die Regierung gewuchtet hat - also der ist inzwischen in die hohen Sphären eines Bundesministers des Auswärtigen entrückt. Im Inneren bleibt er der beliebteste Politiker, nicht nur der Grünen, sondern insgesamt. Damit wollen die Grünen für die Wahl im September diesen Jahres wieder werben.

Dass Fischer Spitzenkandidat sein wird, steht außer Frage - er ist es, ob gewählt oder nicht, in den Augen der Wähler. Dann können die Grünen ihn doch eigentlich auch gleich dazu wählen, und zwar mit den Stimmen derer, die Fischer seine Sonderrolle über Jahre und anfangs auch in der Regierung geneidet haben. Jürgen Trittin zum Beispiel. Möglich ist es. Seitdem der als Minister regiert, macht er zunehmend Staat, und das hat in der letzten Zeit deutlich die interministerielle Solidarität gefördert. Fischer also, und dann?

Er an der Spitze - das ist schon wieder ein Mann, wie bei den anderen Parteien. Alles wie gehabt, auch die Grünen angepasst? Nicht ganz. Die Paschas vom Thron zu stoßen, lautete eine Forderung, die vor vielen Jahren Heiner Geißler erhob, als er noch CDU-Generalsekretär war. Das gelingt zwar nicht so schnell, auch bei den Grünen nicht, aber immerhin können sie Joschka Fischer, ihren Spitzenmann, mit einem Kompetenz- und Sympathie-Team einrahmen, zu dem dann viele, viele Frauen gehören.

Die Grünen haben ja im Gegensatz zu allen anderen Parteien einige Frauen in der Spitze, in der Partei- und in der Fraktionsführung, in der Regierung. Wenn die dann auch noch untereinander solidarisch sein sollten, können die Spitzenkräfte gemeinsam auftreten, öffentlich, auf einer großen Veranstaltung zur Vorstellung von Personen und Programm. Und wenn es kommt, wie es sich die Parteiführung vorstellt, werden bestimmt alle demonstrieren, dass sie sich mögen. Denn so gefällt es den Wählern. Und Wählerinnen.

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