Wie Schweine und Rinder gehalten werden

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Fleischfabrik Deutschland : Welche Folgen hat die Massentierhaltung?
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Seit 1994 hat sich die Produktion von Schweinefleisch in Deutschland auf 5,5 Tonnen verdoppelt.
Seit 1994 hat sich die Produktion von Schweinefleisch in Deutschland auf 5,5 Tonnen verdoppelt.Foto: Patrick Pleul/dpa

Wie geht es deutschen Schweinen?
Eine Zuchtsau ist eine arme Sau. Die meisten Sauen werden einen Großteil ihres etwa dreijährigen Lebens im sogenannten Kastenstand gehalten. Mit sieben Monaten werden sie das erste Mal künstlich besamt, tragen die Ferkel aus, gebären in einem engen Käfig, in dem sie sich nicht einmal umdrehen können, die Ferkel sitzen hinter einer Stange und können gerade mal die Zitzen erreichen.

Die Sauen können kaum Kontakt zu ihren Ferkeln aufnehmen. Begründet wird diese Haltung damit, dass sie ihre Ferkel erdrücken könnten. In Haltungsformen mit mehr Platz ist die Verlustrate jedoch nach Angaben der Tierschutzorganisation Vier Pfoten nicht höher als im Kastenstand. Seit 2013 müssen die Sauen nach etwa vier Wochen, in denen sie ihre Ferkel zumindest säugen dürfen, in Gruppen gehalten werden. Doch zügig danach landen sie wieder im Käfig, um erneut besamt zu werden.

Die Ferkel erleben schon Tage nach ihrer Geburt das erste Mal, dass sie eine Ware sind. Dann werden die männlichen Ferkel betäubungslos kastriert. Eberfleisch hat einen Eigengeruch, den viele Konsumenten nicht akzeptieren. Christian Schmidt und seine Kollegen aus den Niederlanden und Dänemark wollen nun zumindest erreichen, dass die Ferkel betäubt werden müssen, bevor geschnitten wird.

Wenig später werden den Ferkeln die Schwänze abgeschnitten. Denn in den engen Ställen, in denen sie gemästet werden, haben sie so wenig Platz, dass sie sich gegenseitig die Schwänze abbeißen. Um die damit verbundenen Verletzungen zu vermeiden, werden den Ferkeln auch noch die Eckzähne abgeschliffen.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten kritisiert seit Jahren, dass nicht die Verhältnisse in den Ställen für Schweine erträglich gestaltet werden, sondern die Schweine an die unerträglichen Haltungsbedingungen angepasst werden.

Die Schweinewirtschaft ist so spezialisiert, dass die Mastschweine inzwischen mehrere längere Transporte erleiden müssen. Die Ferkel werden zunächst bei einem Mäster abgesetzt, und womöglich nach ein paar Wochen auf einem weiteren spezialisierten Hof bis zur Schlachtreife gemästet. Erst dann treten sie ihren letzten Transport zum Schlachthof an.

Schweine können übrigens 20 Jahre alt werden, wenn sie gute Bedingungen vorfinden, also Beschäftigungsmöglichkeiten, die Möglichkeiten zum sozialen Kontakt mit anderen Schweinen, und Möglichkeiten zu graben und sich zu suhlen. So leben allenfalls Schweine, die besonders tierschutzgerecht gehalten werden.

Wie werden Rinder gehalten?

Milchkühe werden immer seltener auf der Weide gehalten. Viele sehen ihr ganzes Leben keine Wiese, sondern werden im besseren Fall in Laufställen gehalten. Im schlechteren Fall werden sie angebunden und können sich kaum hinlegen. Die Kühe geben nur Milch, wenn sie Kälber haben. Die Kälber werden aber schon kurz nach der Geburt von den Kühen getrennt.

Nach etwa fünfeinhalb Jahren sind die Milchkühe am Ende. Ein Zuchtbulle, der die Spermien für die künstliche Befruchtung der Milchkühe produziert, kommt auf etwa drei Jahre Lebenszeit.

Mastrinder werden gerade mal 18 bis 24 Monate alt, bis sie geschlachtet werden. Kälber werden nach etwa acht Monaten geschlachtet. Allen Kälbern werden in den ersten Lebenswochen ihre Hörner ausgebrannt. Denn in engen Ställen könnten sich die Kühe mit den Hörnern gegenseitig verletzen.

Eine Betäubung ist auch für diese Prozedur nicht vorgesehen sondern wird nur dort praktiziert, wo sich die Höfe zu einer besonders tierfreundlichen Haltung entschlossen haben, beklagt die Welttierschutzgesellschaft, die sich besonders für eine bessere Milchkuhhaltung einsetzt.

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