Politik : Flucht aus Nervenklinik: PDS in Mecklenburg-Vorpommern gerät in Bedrängnis

Andreas Frost

Ein aus der geschlossenen Nervenklinik Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochener Straftäter ist wieder gefasst worden - und zwar auf dem Gelände der Klinik. Mit einem Anruf beim regionalen NDR-Fernsehen hatte der Gewaltverbrecher Frank Z. zuvor die Leitung der Forensischen Klinik in Ueckermünde am Oderhaff scharf kritisiert. Diese - und nicht die Pfleger - hätten ihm Schraubenzieher, Schere und eine Hebelstange belassen, sagte Z. am Dienstagabend am Telefon. Am Mittwochmorgen spürte ein Großaufgebot der Polizei Z. in einem Heizungskeller eines Klinikgebäudes auf. Allerdings gehörte es nicht zum Sicherheitsbereich, aus dem Z. sich per Bettlaken abgeseilt hatte. Zuvor hatte er mit Hilfe einer Kleiderstange aus einem Schrank ein Panzerglasfenster ausgehebelt. Z. ließ sich widerstandslos festnehmen. Geglückt war Z. die Flucht aus einem so genannten Kriseninterventionsraum. Dorthin war er gebracht worden, weil er zuvor seine Therapiegruppe terrorisiert hatte. Ihm stand die Verlegung in ein normales Gefängnis bevor.

Die Flucht des einstigen Geiselnehmers und Räubers hat die Schweriner Sozialministerin Martina Bunge (PDS) in Bedrängnis gebracht. Doch trotz massiver Rücktrittsforderungen der oppositionellen CDU und versteckter Hinweise aus der SPD/PDS-Koalition sagte sie gestern Mittag noch: "Ich stelle mich nicht in Frage." Die Flucht bringt auch die Unterbringung psychisch kranker Straftäter insgesamt ins Gerede. In Ueckermünde gab es allerdings einige Besonderheiten. Sie ist deutschlandweit die einzige privat betriebene geschlossene Nervenklinik. Träger ist das Diakonische Werk, das widerum eine gemeinnützige GmbH beauftragt hatte. Seit Oktober 1999 geriet die Klinik immer wieder in die Schlagzeilen. Z. und einem Kumpel gelang damals erstmals die Flucht, während der sie eine Geisel nahmen. Wegen dieser Tat wurde er im Mai zu weiteren sieben Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Danach gab es eine Reihe weiterer vorübergehend erfolgreicher Ausbruchsversuche.

Für Harry Glawe, Sozialexperte der CDU Mecklenburg-Vorpommern, steht fest: PDS-Ministerin Bunge hat das im Dezember vergangenen Jahres ausgearbeitete Sicherheitskonzept nicht umgesetzt. Angeblich war sie über Sicherheitsmängel in der Klinik, in der derzeit 93 Straftäter behandelt werden, informiert. Aus den "normalen" Gefängnissen ist in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren keine Flucht mehr gelungen.

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