Politik : Flüchtlinge im Mittelmeer aufgefischt

Ralph Schulze

Malta/Madrid - „Flüchtlinge in Sicht“, meldete der erste Offizier des spanischen Kreuzfahrtschiffes „Jules Verne“ und ließ die Motoren stoppen. Um zwei Uhr morgens hatte er auf dem Mittelmeer, knapp 150 Kilometer südlich von Malta, einen Kahn voller afrikanischer Migranten entdeckt: 225 Menschen, die versuchten, mit ihrem Boot die europäische Küste und ein besseres Leben zu finden. Eines der größten Fluchtboote, das sich bisher von Afrika nach Europa aufmachte.

Immer öfter finden Passagierdampfer, Frachter und Fischerboote im Mittelmeer zwischen Nordafrika und Südeuropa oder auch im Atlantik zwischen der westafrikanischen Küste und den Kanarischen Inseln Flüchtlingsschiffe – davon viele in Seenot. Nicht alle Schiffsführer halten an, um zu helfen. Viele fürchten Schwierigkeiten mit den Behörden, die sich weigern, schiffbrüchige Einwanderer an Land gehen zu lassen. Was oft zu tage- oder wochenlangen Verhandlungen und diplomatischen Verwicklungen führt.

Der Kapitän der „Jules Verne“ fürchtete diese Probleme nicht. Er rief die maltesische Küstenwacht, den Seenot-Rettungsdienst und blieb mit seinem Luxus-Kreuzfahrtschiff so lange in der Nähe des Migrantenbootes, bis die Retter da waren und den Kahn mit den Afrikanern in den Hafen der maltesischen Hauptstadt Valletta schleppten. Dort kamen die Afrikaner in ein Aufnahmelager, wo über ihr weiteres Schicksal entschieden wird.

Doch kaum hatte die „Jules Verne“ wieder Fahrt aufgenommen, entdeckte der Kapitän das nächste Drama: Rund 30 Afrikaner, die mit Rettungswesten im Wasser trieben. Etwa die Hälfte war schon tot. Immerhin 14 der Schiffbrüchigen, deren Fluchtkahn auf dem Weg zur europäischen Küste unterging, konnten aber noch lebend gerettet werden.

Unterdessen wurde bekannt, dass die EU-Grenzschutzagentur Frontex ihre Überwachungsmission vor der Küste Maltas und der italienischen Insel Lampedusa, vorübergehend eingestellt hat. Die EU-Mitgliedstaaten würden nicht genügend Küstenwachtschiffe und Überwachungsflugzeuge bereitstellen, hieß es aus der Frontex-Zentrale in Warschau. Malta hatte sich in der Vergangenheit immer wieder beklagt, von der EU bei der Bekämpfung der illegalen Einwanderung und der Absicherung der Seegrenze allein gelassen zu werden. Ralph Schulze

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